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Vereinfachte Auszeichnungssprachen: BBCode, Markdown, Textile, AsciiDoc & Co.

Das Themenkomplex 'vereinfachte Auszeichnungssprachen' hört sich auf den ersten Augenblick nach einem Nischenthema für Web-Archäologen an. Ist es aber nicht, wie aktuelle Entwicklungen es aufzeigen.

Das Thema bzw. die Recherchen dazu trage ich schon seit Wochen mit mit herum und eigentlich wollte ich es auf die lange Bank schieben. Aber ein Link-Tipp vom Blogger-Kollegen Thomas Boley hat mich dazu gebracht doch jetzt etwas dazu zu schreiben.

MarkdownPad im Einsatz

Der Begriff Auszeichnungssprache dürfte den meisten Lesern hier bekannt sein und in der Regel verbindet man damit (X)HTML. Zu der Gruppe der Auszeichnungssprachen gehören alle Sprachen die auf XML oder SGML basieren: HTML, XHTML, DocBook, TEI, MathML, WML, XAML und SVG.

Zu den Auszeichnungssprachen gehört auch eine Untergruppe, die man auch vereinfachte Auszeichnungssprachen (engl. Lightweight Markup Language) nennt. Sinn dieser Sprachen besteht darin ein Kompromiss zwischen leserlichem (Quell-) Text einerseits und Auszeichnungs- und Formattierungsmöglichkeiten anderseits zu bieten. Der Autor soll die Möglichkeit haben Textabschnitte auszuzeichnen ohne den Überblick durch zu viele Tags zu verlieren.

Ein sehr bekannter Verterter von den vereinfachte Auszeichnungssprachen ist BBCode. Diesen Vertreter trifft man in diversen Forensystemen und mit einem einfachen Satz an Auszeichnungsmöglichkeiten, zum Beispiel…

Ich bin [b]fett[/b] und ich [i]kursiv[/i].

… hat der Kommentator die Möglichkeit den Text auszuzeichnen bzw. zu formattieren. Von dem Forensystem wird das ganze dann in (X)HTML übersetzt.

Zwei weitere Vertreter dürften aber auf jeden Fall den erfahrenen Bloggern bekannt sein: Markdown und Textile. In der oberen Abbildung sieht man einen Markdown-Editor im Einsatz.

Teile von Markdown kann man auch auf Google+ einsetzen, zum Beispiel _kursiv_ und *fett*. Und wer öfters mit Wikisystemen hantiert, der wird auch noch Wikitext kennen.

Aber den Rest der vereinfachten Auszeichnungssprachen wie AsciiDoc oder reStructuredText dürften die allermeisten Nutzer nicht kennen. Was vor allem bei AsciiDoc meiner Meinung nach Schade ist, da es meiner bescheidener Meinung nach sogar etwas übersichtlicher als Markdown und Textile ist und sich damit noch besser eignet, dass damit textlastige Inhalte, wie zum Beispiel Bücher, verfasst werden.

Hier ein kleines Beispiel. Zuerst HTML…

<h1>Überschrift 1. Ordnung</h1>
<p>Ich bin ein Absatz</p>
<ul>
    <li>Und</li>
    <li>ich</li>
    <li>bin</li>
    <li>eine</li>
    <li>Liste</li>
</ul>

… und nun das gleiche in AsciiDoc…

[[]]
Überschrift 1. Ordnung
----------------------

Ich bin ein Absatz

* Und
* ich
* bin
* eine
* Liste

Dadurch das AsciiDoc ein reines Textformat ist, kann man hierbei mit jedem Texteditor arbeiten. Allerdings bin ich aktuell noch auf der Suche nach weiteren Editoren mit Syntaxhervorhebung für AsciiDoc. Angeblich können Notepad++, Textmate, Gedit und Sublime Text das und die Demo von Ace Editor konnte das auch, die ist aber gerade offline. *rolleyes*

Mit Hilfe des Konverters pandoc, kann man dann recht zuverlässig AsciiDoc in HTML, Word (.docx), Libre-/OpenOffice (.odt) oder PDF umwandeln. Da ich gestern einige Tests mit pandoc gemacht habe, weiß ich das dies auch mit HTML oder Markdown als Eingabeformat funktioniert. Zum Thema pandoc werde ich bald einen weiteren Artikel schreiben.

AsciiDoc in der Praxis

Das dies ganze kein Nischenthema für Hardcore Geeks und Nerds oder für Web-Archäologen ist, zeigt der Linktipp bzw. die Linktipps auf die ich, wie bereits oben gesagt über Thomas kam:

Hier verabschiedet sich ein recht bekannter IT-Fachverlag von LaTeX und setzt in Zukunft unter anderem auf AsciiDoc. Zwei Aspekte waren hierbei dem Verlag wichtig: das die Autoren es leicht erlernen können und das man recht einfach die Inhalte in verschiedene Ausgabeformate umwandeln kann, speziell in EPUB und Mobi (Kindle).

Ich gehe schwer davon aus, dass man aus diesem Bereich noch mehr hören wird. Da meiner Meinung nach, weder LaTeX (ich verlasse mich hierbei auf die Aussage des Verlages) noch die "klassische" Vorgehensweise, in der die Autoren die Manuskripte in einer Krückenanwendung (Word, LibreOffice etc.) vorschreiben, auf Dauer ein gangbarerer Weg sein werden, wenn man schnell, effizient und kostengünstig auf verschiedenen Plattformen und in verschiedenen Formaten veröffentlichen möchte.

Was ist eure Meinung dazu?

6 Reaktion(en)

  1. Max Schmitt

    Ich verwende Markdown gerne zum Sammeln von Ideen und Notizen, aber auch zum Schreiben längerer Texte. Dazu verwende ich das WordPress-Plugin "Markdown on Save Improved" und die iA Writer-App unter Mac und iOS.

    Ich denke, dass in der Richtung Markdown und reStructuredText zumindest für Entwickler und Webleute sich noch viele Möglichkeiten ergeben werden, diese Sprachen tagtäglich einzusetzen, weil sei einfach so praktisch sind. Readme-Dateien auf GitHub werden ja schon automatisch als Markdown geparst und viele neue Blogging-Engines (Ghost, Octopress, Dropplets) setzen auch schon auf Markdown.

  2. Pingback: Markdown: ein Bild verlinken | perun.net

  3. Torsten Sackmüller

    Es geht im Artikel ja mehr um redaktionelle Arbeit, E-Publikationen und die Nachteile von LaTeX. Aber die vereinfachten Auszeichnungssprachen finden ja auch im Webbereich Anwendung, für all die vielen Fälle, wo Laien ihre eigene Website oder ihr Blog pflegen wollen.

    Tja, ich kann ja nicht verstehen, dass so viele Leute solche Schwierigkeiten mit HTML haben. Was ist denn schwer daran zu begreifen, dass man zum Beispiel einen Abschnitt in ein öffnendes und schließendes Tag des p-Elementes einschließt oder die Hauptüberschrift in h1?

    Und dann muss man sich vielleicht noch h2 und b und i merken, schlimmstenfalls noch eine ungeordnete Liste, und das war’s doch schon für einen Blogschreiber oder Webseitenbetreiber.

    Aber ich weiß, ich weiß – wenn es denn doch mal jemand versucht, dann kommen falsch verschachtelte Elemente dabei heraus und reihenweise fehlende oder falsche Abschluss-Tags.

    Und bietet man einen WYSIWYG-Editor an, muss man ihn schon gehörig abspecken, damit der Benutzer keine wilden Typografie-Sünden begeht. Leider hat man nicht bei allen Content-Management-Systemen die Wahl, welchen Editor man einbinden möchte. Oder es geht nur äußerst umständlich.

    Kanz schön plöt!

  4. Pingback: WordPress: Jetpack 2.8 mit Markdown-Modul | perun.net

  5. Pingback: WordPress-Newsletter Nr. 134 | perun.net

  6. Torsten

    Mit AsciiDoc habe ich mich noch nie auseinander gesetzt, aber seit kürzerer Zeit werde ich mehr und mehr ein Fan von Markdown. Dafür gibt es mehrere sehr gute Editoren für die drei verbreitetsten Betriebssysteme Windows, OSX und Linux.

    Noch interessanter finde ich Textile, aber dafür habe ich kein speziellen (Offline-)Editoren gefunden. WriteMonkey für Windows allerdings erkennt die Textile-Syntax und kann das Schriftstück in HTML exportieren bzw. an den Standardbrowser senden.

    Das Schöne an beiden Auszeichnungssprachen ist, dass man sehr schnell und einfach Textdateien erzeugen kann, die mit einem beliebigen Texteditor unter jedem Betriebssytem lesbar sind und sich bei Bedarf eben auch in HTML umwandeln lassen. Um Briefe und ähnliches zu schreiben, ist natürlich nach wie vor ein Textbearbeitungsprogramm sinnvoll.

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