WordPress & Webwork

WordPress im Jahr 2014

Wo steht WordPress im Jahr 2014, nach fast 11-jähriger Entwicklung? Was hat WordPress mittlerweile zu bieten?

Da es noch ein paar Tage dauern kann bis es von meinem WordPress-Vortrag in Erlangen auch ein Video gibt, habe ich mich dazu entschieden, den Vortrag in Artikel-Form zu bringen, weil die Folien alleine ( SlideShare, Speaker Deck) nicht so aussagekräftig sind. Da dieser Artikel auch für Einsteiger lesbar sein soll, gehe ich auf einige Punkte ein, die den Stammlesern von perun.net bereits bekannt vorkommen dürften.

WordPress damals…

Die erste offizielle Version von WordPress trug die Nummer 0.70 und wurde im Mai 2003 veröffentlicht und Anfangs wurde WordPress wenig beachtet. Schaut man sich die Abbildung des Backends der Version 1.2.2, welche im Dezember 2004 veröffentlicht wurde…

WordPress 1.2.2

Backend von WordPress 1.2.2

… also 1,5 Jahre nach der Veröffentlichung der ersten Version, dann kann man erahnen, warum man WP am Anfang so wenig beachtet wurde. WordPress war vielen zu spartanisch und das Backend nicht ansprechend genug. Die ganzen wichtigen Funktionen kam erst nach und nach hinzu. Hier ein paar Meilensteine:

  • Plugins erst ab WP 1.2 (Mai 2004)
  • Statische Seiten (Pages) und Themes erst ab WordPress 1.5 (Februar 2005)
  • WYSIWYG Editor in Version 2.0 (Dezember 2005)
  • Autosave in 2.1 (Jan 2007)
  • Widgets in 2.2 (Mai 2007)
  • Tags (Verschlagwortung) in Version 2.5 (März 2008)
  • Update via Backend in 2.7 (Dezember 2008)

Erst mit der Version 1.5 und vor allem mit der Version 2.0 wurde WordPress, meiner Meinung nach, wirklich ernst genommen.

WordPress heute…

WP ist mittlerweile seit einiger Zeit ein Allround-CMS mit hoher Verbreitung und Popularität, mit dem man nicht nur Weblogs sondern auch >Websites ohne Blog-Charakter – Portale, Magazine, "klassische" Websites – realisieren kann.

Backend von WordPress 3.8 bzw. 3.9 Beta1

Backend von WordPress 3.8 bzw. 3.9 Beta1

Hier ein paar wichtige Änderungen, die in den letzten Monaten hinzugekommen sind:

  • August 2013 WordPress 3.6: diverse Verbesserungen im Adminbereich und bei den Revisionen. Beitragssperre.
  • Oktober 2013 WordPess 3.7: eigenständige Updates bei kleinen Updates, verbesserte Hinweise bei Passwörtern
  • Dezember 2013 WordPress 3.8: Neues design im backend, neues Theme 2014 im Magazin-Look
  • Geplant: April 2014 WordPress 3.9: komplette Editor-Fläche als Uploadablage, verbesserte Vorschau bei Bilder-Galerien, Widget-Verwaltung in der Live-Ansicht

Die Verbreitung von WordPress

Zum jetzigen Zeitpunkt werden 77,4 Millionen Websites mit WordPress betrieben. Hierbei werden sowohl Websites gezählt die mit dem Dienst WordPress.com, wie auch mit der eigenständigen Installation von WordPress.org betrieben werden. Das WordPress 3.8, also die Software für die eigene Installation, wurde seit Dezember 2013 bereits 29,14 Millionen Mal heruntergeladen.

Im Artikel WordPress beherrscht 60% des CMS-Marktes bin ich bereits vor drei Wochen auf Stellung von WP auf dem CMS-Markt und an Hand eines Diagramms auf die Entwicklung der letzten 12 Monate eingegangen.

Die aktuellen Zahlen haben sich leicht geändert und WordPress hat sogar leicht zugelegt:

  • 1. WordPress: 60,4% (+0,2%, seit Anfang März)
  • 2. Joomla!: 8,7% (-0,1%)
  • 3. Drupal 5,3% (-0,1%)
  • 6. TYPO3: 1,6% (+/-0%)

Keine Sorge, ich werde jetzt nicht den Fehler machen und alleine nur an Hand der Verbreitung, auf die Qualität eines Systems zu schließen. Nur weil ein System nicht so weit verbreitet ist, heißt es nicht das es per se schlecht ist. Und andersherum ist ein System nicht automatisch überlegen, weil es über eine hohe Verbreitung verfügt.

WordPress ist kein richtiges CMS

Häufiger hört man von Kritikern solchen oder ähnlichen Satz:

WordPress ist zwar schön und gut, aber kein (richtiges) CMS und eignet sich auch nicht für große Websites.

Wie schaut aber die Realität aus? Hören wir uns an, was die WP-Nutzer selber sagen. Bei der letzten großen WordPress-Umfrage in 2013 wurden 30.000 Nutzer aus 178 Ländern befragt und folgendes Ergebnis kam heraus:

  • 69% setzen WP nur als "klassisches" CMS ein
  • 20% setzen WP sowohl für Blogs, wie auch als CMS ein
  • Nur 6% der Nutzer setzen WP lediglich als Blogsystem ein

Zum Thema WordPress und große Websites hatten wir bereits vor 2,5 Jahren hier im Weblog eine Diskussion: 7 traffic-starke Websites, die WordPress einsetzen.

Damit das ganze nicht trocken bleibt, hier ein paar weitere und aktuelle Beispiele, wo WordPress eingesetzt wird:

  • Smashing Magazine: Sehr bekanntes Magazin für Webentwickler, obwohl englischsprachig handelt es sich um ein deutsches Produkt, mit 5,6 Millionen Besucher (Juni 2013) und von seiner Struktur ist das ein Magazin und schon lange kein Weblog mehr.
  • TechCrunch: Sehr bekanntes IT-Portal mit ca. 15 Millionen Besucher pro Monat.
  • Einige offizielle Websites der Promis: Sylvester Stallone, Justin Biber und The Rolling Stones.
  • Paleo Plan: Website zum Thema Steinzeit-Ernährung. Habe sie in die Liste aufgenommen, da sie über eine Struktur verfügt, wie man so üblicherweise von den amerikanischen Verkaufsseiten kennt. Also keine "klassische" Blogstruktur.
  • Sweden.se: offizielle Website von Schweden.
  • BBC America
  • Weitere Beispiele findet man u.a. im Showcase.

Was hat WordPress zu bieten?

Die Verbreitung und die Popularität ist schön und gut, aber was ist der Grund dafür? Oder besser gefragt: was hat WP zu bieten? Hier ein paar wenige Punkte, die meiner bescheidener Meinung nach wichtig sind:

Schauen wir uns die einzelnen Punkte mal genauer an. Im offiziellen Verzeichnis existieren knapp 30.200 Plugins.

Bei Plugins handelt es sich um Erweiterungen, mit denen man die Funktionalität von WP ergänzen kann. Dabei existieren kleine Plugin, mit denen man lediglich z.B. Seitentitel anpassen kann bis zu kompletten Shop-Modulen.

Und bei der Zahl von 30.200 handelt es sich nur um die kostenlosen. Die kostenpflichtigen Plugins werden dort gar nicht gelistet und nicht jeder Autor eines Plugins trägt seinen kostenlosen Plugin im offiziellen Verzeichnis ein. Ein mittlerweile sehr beliebter Ausweichort ist GitHub.

Ähnliches gilt für die Themes, dem Template-System von WordPress. Im offiziellen Verzeichnis werden momentan mehr als 2.400 Themes gelistet. Die kostenpflichtigen Themes bzw. Designs findet man in diversen Verzeichnissen für einen Preis, der sich irgendwo zwischen 20-75 Euro bewegt.

Themes sind komplette Layouts für eine Website, die nicht nur Design-Elemente sondern vielfach auch neue Funktionen und/oder Inhaltsarten mit sich bringen.

Die einzelnen Benutzergruppen, habe ich bereits im Artikel WordPress und Rechte der einzelnen Benutzergruppen ausführlich erklärt, so dass ich hier nur kurz darauf eingehe. WordPress verfügt über fünf verschiedene Benutzergruppen: Administrator, Redakteur, Autor, Mitarbeiter und Abonnent. Natürlich kann man mit Hilfe von Plugins, die Benutzerverwaltung an eigene Bedürfnisse anpassen.

Die Standard-Benutzergruppen verfügen logischerweise über verschiedene Rechte und das Backend passt sich automatisch der jeweiligen Gruppe an. Hier kurz das Backend aus der Sicht des Admins:

Aktuelles Backend aus der Sicht des Administrators

Aktuelles Backend aus der Sicht des Administrators

Aus der Sicht des Redakteurs:

Backend aus der Sicht des Redakteurs

Backend aus der Sicht des Redakteurs

Und aus der Sicht des Autors:

Backend aus der Sicht des Autors

Backend aus der Sicht des Autors

Apropos anpassbares Backend. Man hat auch die Möglichkeit das Backend manuell anzupassen. Rechts oben existiert ein Button, der in der deutschen Übersetzung "Optionen" und im englischen "Screen Options" heißt.

Backend durch "Optionen" anpassen

Backend durch "Optionen" anpassen

Klickt man auf diesen Button, dann hat man die Möglichkeit, die jeweiligen Module des Unterbereiches zu de-/aktivieren.

Nun kommen wir zu den Plugin-Favoriten. Einem wichtigen Helfer für Administratoren, dass meiner Meinung nach oft übersehen wird. Wenn man sich auf WordPress.org registriert, dann hat man die Möglichkeit nützliche Plugins als Favoriten zu markieren.

Favoriten-Plugins via Backend installieren

Favoriten-Plugins via Backend installieren

Anschließend kann man dann im Backend einer WordPress-Installation unter "Plugins" → "Installieren" → "Favoriten" den Benutzernamen von WordPress.org eingeben und es werden die Favoriten-Plugins gelistet, die man dann von da aus auch direkt installieren kann. Eine Funktion, die viel Zeit spart.

Wichtig für die Redakteure und Autoren ist die Tatsache, dass WordPress seit vielen Jahren über zwei Arten von Editoren verfügt: einen visuellen Editor (WYSIWYG) und einen Text-Editor. Hier zur Verdeutlichung ein Beispiel eines Artikels im visuellen Editor:

Testartikel im visuellen Editor

Testartikel im visuellen Editor

… und der gleiche Testartikel im Text-Editor:

Ein Testartikel im Text-Editor

Der gleiche Testartikel im Text-Editor

Mit dem visuellen Editor dürften alle zu Recht kommen, die schon mal mit diversen Office-Programmen gearbeitet haben. Die Buttons um die Texte auszuzeichnen oder zu formatieren dürften bekannt sein. Der Text-Editor arbeitet in der Quelltextansicht und grundlegende HTML-Kenntnisse sind von Nöten um hier frustfrei arbeiten zu können. Wobei ich selber den Texteditor bevorzuge, da ich hier mehr Kontrolle über die Formatierungen und Auszeichnungen habe. Natürlich kann man sowohl den visuellen, wie auch den Text-Editor anpassen und erweitern.

Eine kleine Anmerkung bezüglich des Text-Editor wollte ich abgeben. Um einen manuellen Zeilenumbruch oder Absatz zu erzeugen, muss man nicht manuell eingeben. Trennt man zwei textabschnitte mit einem Klick auf Enter dann fügt WordPress in der Ausgabe automatisch ein <br /> im Quelltext und erzeugt für den Leser einen manuellen Zeilenumbruch. Trennt man dagegen die beiden Abschnitte mit zwei Klicks auf Enter dann zeichnet WordPress beide Textabschnitte mit <p>...</p> aus, was bei dem Leser zu zwei Absätzen führt.

Ein wichtiges Werkzeug für die Verfasser von Inhalten ist oEmbed bzw. die Einbettungsfunktion. Damit ist es möglich, dass man ganz schnell und komfortabel Daten und Medien einbettet, in dem man lediglich die URL, also die Adresse einer Quelle, im visuellen oder im Text-Editor einfügt.

Hier ein Beispiel. Im Text-Editor füge ich lediglich die URL eins Videos ein:

oEmbed: nur URL eingegeben um ein YouTube-Video einzubetten

oEmbed: nur die URL eines YouTube-Videos eingeben…

… und im Frontend erzeugt WordPress automatische den Videoplayer:

Eingebettes Video im Frontend von WordPress

… um das Video einzubetten.

Es werden momentan 24 Dienste unterstützt, darunter YouTube, Vimeo, Flickr, SlideShare und Spotify. Wem das ganze noch zu trocken ist. Ich habe Videos gemacht, wie man ein YouTube-Video oder einen Tweet einbettet.

Wer es bis jetzt durchgehalten hat … vielen Dank fürs Lesen und vielen Dank fürs Teilen. 😉

7 Reaktion(en)

  1. Mein Kommentar

    Wenn so viele Benutzer WordPress inzwischen auch als CMS nutzen, wundert es mich, dass die Software immer noch in der Grundeinstellung als Blog funktioniert und es nicht einen einfacheren integrierten Modus gibt, mit dem man verschiedene Rubriken für die Posts anlegen kann und entsprechend auch die Startseite anders gestaltet wird. Ich habe auch eine Seite mit immerhin knapp 6 Millionen monatlichen Zugriffen und nutze WordPress bereits seit Jahren, weil es einfach das beste System für Leute ist, die viel schreiben und schnell online stellen wollen. Aber das "Umbiegen" von WordPress als Blog auf einen Magazin-Modus durch Anpassung der php-Templates hat den Großteil der Zeit bei der Installation beansprucht.

  2. Rata

    Sehr, sehr nette Übersicht, lieber Vladimir!
    Sie wird mir an diesem Wochenende einiges zu denken geben ;-), ich möchte Dir Dank sagen…

    Lieber Gruß
    Rata

  3. Thorsten

    WP hat schon eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht, keine Frage. Nach außen wirkt (und ist) es auch mächtig, aber unter der Haube ist der Code doch manchmal, sagen wir mal, subobtimal.

  4. Pingback: Netzfundstücke zu Wordpress im März 2014 › WordPress-Bistro

  5. Alex L

    Hallo,
    ich betreibe seit mehr als 6 Jahren ein und seit neulich mehrere WordPress-Blogs und kann nichts besseres als dieses CMS entdecken. Zudem betreibe ich auch ein Drupal und ein Joomla-Blog, was eben etwas anders ist. Mit WordPress kommt man schneller und auch bequemer ans Ziel und ich bin rundum zufrieden, auch wenn es manchmal Zicken gibt. Die hat man doch bei jedem anderen CMS auch. Von daher auf die weiteren 11 Jahre mit WordPress. Auf die Version 3.9 bin ich schon sehr sehr gespannt.

  6. Marco Kaiser

    Bin seit dem 01. April 2008 dabei (Hab also heute Bloggeburtstag :D) und hab somit gerade frisch das Feature der Tags mitgenommen. Wusste bis eben noch nicht mal, dass es kein Standard war ^^

    Ich nutze WordPress selbst für viele Kundenprojekte und eben auch für meinen eigenen Blog. WordPress ist einfach ein unglaublich mächtiges System und wenn man sich mit der Template-Entwicklung auskennt, kann man hier sehr viel machen. Freue mich auf WordPress 3.9

  7. Pingback: WordPress Blogschau März - Neues aus der Community

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