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ACTA, SOPA, Urheberrecht, Verwertungsrecht mal wild durcheinander gewürfelt

In den letzten Wochen gab es auf den üblichen Kanälen – Blogs, Twitter, Facebook, Google+ etc. – viel über ACTA und SOPA zu lesen. Vielfach wurden SOPA und ACTA mit dem Urheberrecht gleichgesetzt und einige forderten wegen ACTA und SOPA auch die Abschwächung oder sogar die Abschaffung der Urheberrechte.

Nun, SOPA ist ein US-Gesetzesentwurf und ACTA ein mögliches internationales Handelsabkommen. Beide haben nur am Rande etwas mit den eigentlichen Urhebern – Autoren, Künstler, Fotografen etc. – zu tun. Siehe dazu auch den Artikel von Ulf J. Froitzheim:

ACTA ist aber kein Urheberrechtsabkommen, sondern ein umfassendes Anti-Piraterie-Abkommen, bei dem es unter anderem auch um Urheberrecht geht – neben Markenrecht, Patentrecht, Geschmacks- und Gebrauchsmusterschutz oder Leistungsschutzrecht.

King Kong gegen Godzilla

Worum es bei ACTA & Co. eigentlich geht ist der Kampf zwischen Verwertern oder wie sie manche auch als Content-Industrie oder sogar abfällig als "Content-Mafia" bezeichnen auf der einen Seite und den Plattformanbietern, wie Apple, Facebook, Google und Amazon auf der anderen Seite. Die Nutzer und die Urheber sind die Leidtragenden. Hierzu ein sehr interessanter Artikel von Wolfgang Michal:

Es ist der Kampf des Jahrhunderts. Die Content-Industrie (King Kong) ringt mit der Plattform-Industrie (Godzilla) um die Vorherrschaft. SOPA, PIPA und ACTA sind wichtige Waffen dabei.

Für alle, die denken, dass die Abschaffung oder die Schwächung des Urheberrechts etwas tolles, modernes und fortschrittliches sei, habe ich ein kleines Zitat zum Nachdenken:

Jeder hat das Recht auf Schutz der geistigen und materiellen Interessen, die ihm als Urheber von Werken der Wissenschaft, Literatur oder Kunst erwachsen.

Ich muss all diejenigen enttäuschen, die denken das wäre von irgendjemanden von der sog. "Content-Mafia". Bei dem Zitat handelt es sich um Paragraf 27, Absatz 2 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von der UN.

Abschaffung oder Schwächung der Urheber hilft nicht den Nutzern

Wer wirklich denkt, dass man durch die Schwächung oder Abschaffung des Urheberrechts oder besser gesagt durch die Enteignung der Urheber billigere Musik, Bücher oder Filme bekommt, der glaubt auch, dass das Geld aus dem EC-Automaten und die Mich aus dem Supermarkt kommt.

Derjenige glaubt auch, dass man die arbeitsschutz-technischen und ökologischen Standards schwächen oder abschaffen muss, damit die Arbeitsplätze nicht ins Ausland abwandern.

Die Rechte würden dann einfach bei den Verwertern bleiben oder zu denen übergehen … und meint dann jemand wirklich, dass diese die Inhalte dann kostenlos ausliefern oder das man auf einmal die Nutzungsbedingungen liberaler gestaltet? Und mich beschleicht irgendwie das Gefühl, dass genau diese Schwächung des Urheberrechts der King Kong und Godzilla (siehe weiter oben) wollen.

Ich persönlich habe es leicht. Der Verdienst als Autor trägt lediglich einen kleinen Teil zu unserem Familieneinkommen bei. Ich könnte mich ohne Probleme bei denen einreihen, die die Abschaffung oder Schwächung des Urheberrechts fordern. Aber ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, wo man die Urheber hintergeht.

Schaut man sich den Aufstieg der sog. "westlichen Welt" (Nordamerika, große Teile von Europa etc.) mal genauer an, dann hat das auch viel mit dem Urheberrecht, welches es so seit ca. 500 Jahren gibt, und der damit einhergehenden rechtlichen Sicherheit zu tun. Ein Wissenschaftler z. B. konnte sich somit sicher sein, dass die die Früchte seiner jahrelangen Arbeit nicht jemand anders erntet und er dumm daneben steht.

Mit dem Urheberrecht kann der Urheber selber entscheiden unter welcher Lizenz er dann seine Werke veröffentlicht bzw. verwertet und das muss nicht immer eine kommerzielle Lizenz sein, auch GPL (Open Source) oder Creative Commons bauen auf dem Urheberrecht auf: der Autor bzw. Urheber muss immer genannt werden.

Durch die Abschaffung/Schwächung der Urheberrechte würde man somit auch Open Source und Creative Commons abschaffen bzw. schwächen … wollen wir das wirklich in Anbetracht von WordPress, Linux, Firefox & Co.?

9 Reaktion(en)

  1. Rainer Meyer

    Die Position, die hier vertreten wird, ist verständlich: Rechte für Urheber sind eine prima Sache. Aber es soll Leute geben, die das Urheberrecht abschaffen wollen. Welche Leute das sind und welche Argumente diese für ihre Position haben, wird aber nicht gesagt. Was mir auch am Artikel auch fehlt ist eine Stellungnahme zu ACTA und SOPA: Liegt es nun im Interesse der Urheber, das solche Abkommen wirksam werden oder eher nicht?

    1. Vladimir

      Hallo Rainer,

      Welche Leute das sind…

      in wie fern würde dich das weiter bringen, wenn ich dir Namen von Leuten nenne, die du nicht kennst?

      und welche Argumente diese für ihre Position haben

      Auf deren Argumente – Abschaffung des Urheberrechts = billigere Produkte und liberalere Nutzungsbedingungen – bin ich im Artikel eingegangen.

      eine Stellungnahme zu ACTA und SOPA

      Zum einen ging es in diesem Artikel überhaupt nicht um den Inhalt von ACTA & Co. und zum zweiten bin ich kein Fachanwalt, so dass ich dir keine Stellungnahme zu diesem Theme abgeben kann. Aber vielleicht hilft dir das weiter:

      http://www.internet-law.de/2012/02/ist-die-acta-hysterie-berechtigt.html

  2. Rainer Meyer

    1. Offensichtlich habe ich andere Vorstellungen von Blog-Auseinandersetzung als Du. Wenn ich mir die Mühe mache, jemanden zu kritisieren, dann gehe ich davon aus, dass die Leser des Blogs gerne die zu kritisierende Position selbst lesen und prüfen möchten. Ein Link könnte hier wohl weiterhelfen. Aber anscheinend äußern sich die von Dir Kritisierten nicht so, dass man deren Argumente im Internet irgendwo finden könnte. Fragt sich nur, wie dann die Relevanz von deren Forderung nach Abschaffung des Urheberrechts einzuschätzen ist.
    2. Mit einem Fachanwalt ist mir auch nicht weitergeholfen, wenn ich Deine Meinung zur Thematik kennenlernen möchte. Schließlich bist Du auch Autor und Blogger und damit Urheber und mich würde schon interessieren, ob es Deiner Interessenlage entspricht, dass ACTA und Co. wirksam werden. Oder neigst Du eher zur anderen Seite, die man hier findet: http://netzpolitik.org/2012/aufruf-du-gegen-acta/

  3. Michael Hartl

    Danke für diese Ansicht. Ich teile diese. Und gut, den Link auf den Artikel bei internet-law, den kannte ich noch nicht.

    Hab den ACTA-Entwurf selbst durchgelesen und finde seither die Panikmache weder angemessen noch verständlich.

  4. Zitante Christa

    Danke für diesen Artikel, der meine Meinung im Großen und Ganzen widergibt. Insbesondere der Hinweis auf den Artikel 27.2 der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" greife ich – als Argumentation für die Wahrung der Urheberrechte – gerne künftig auf.

    Ich verstehe dieses ganze Lamento nicht. Was spricht dagegen, daß jeder Autor sein Werk (Text, Bild, Video…) mit einem entsprechenden Hinweis (sei es auf CC-Lizenz – also Widergabe unter bestimmten Voraussetzungen – oder vollkommene Freigabe) versieht – und dieser zu respektieren ist. Bei Zuwiderhandlungen ist mit entsprechenden Maßnahmen zu rechnen.

    Es könnte so einfach sein…

  5. Basisdemokrat

    Selbst Richard Stallman warnt davor das mit einer Abschaffung bzw zu drastischen Reduzierung der Laufzeit von Urheberrechten die GPL beschädigt werden würde und somit die Entwicklung freier Software kaum mehr möglich wäre weil dann qausi jeder den code verwenden könnte ohne ihn wieder freigeben zu müssen.

    Von daher, ja auch für die freien Inhalte im Internet braucht es ein Urheberrecht das deren Verwertbarkeit regelt um den Willen der Urheber durchzusetzen.

    Es ist doch nur die Frage wie dies durchgesetzt werden soll. Ein System das Urheberrechte mit Überwachung, Netzsperren und Zensur durchsetzt und somit die Grundrechte auf Informationsfreiheit und Datenschutz untergräbt wäre für mich völlig inaktzeptabel.

  6. Torsten

    Ich kann der Aussage des Artikels nur zustimmen.

    Denn wer wäre wohl noch bereit, „persönliche geistige Werke“, die durch die Urheberrechtsgesetze geschützt werden, zu schaffen, wenn er anschließend nicht mehr das Recht hätte, selbst zu entscheiden, ob und in welcher Form sie genutzt werden dürften? Und an wen er Nutzungsrechte vergeben/verkaufen will, um vielleicht damit sein Einkommen zu sichern?

    Eine Abschaffung der Urheberrechte würde meiner Ansicht dazu führen, dass es bald keine Schriftsteller, bildenden Künstler, Musiker und sonstigen Kreativen mehr gäbe. Eher denkbar wäre eine Abschaffung der Verwertungsgesellschaften und nur noch die Selbstvermarktung der Künstler und Musiker. Ob die aber das ganze Marketing-Drum-und-Dran wirklich selber würden leisten können und wollen, sei dahingestellt.

    Ich denke gerade so: Die Konsumenten, die Musik, Filme und was noch alles immer umsonst haben wollen, klauen vermutlich auch im Supermarkt. Ist ja auch eine Sauerei des Handels, für Lebensmittel auch noch Geld zu verlangen.

  7. Torsten

    Fehler von mir: die Verwertungsgesellschaften haben mit der Vermarktung ja nichts zu tun, sondern sorgen für die Ausschüttung von Tantiemen/Vergütungen.

    Die Vermarktung übernehmen die Labels im Fall von Musikern, die Galerien im Fall der bildenden Künstler und die Verlage im Fall von Autoren.

  8. Pingback: Urheberrecht am Scheideweg – Zwischen Mediendemokratie und Social-Media-Kultur

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