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E-Books: was bewirkt eigentlich die Buchpreisbindung?

So bald sich das Gespräch um das Thema Kindle oder im allgemeinen um die E-Books dreht kommt schnell die Aussage von jemanden Die E-Books sind teuer und ein anderer ergänzt dann Ja, das liegt an der Buchpreisbindung.

Über die erste Aussage kann man diskutieren und vielfach stimmt das auch. Das hat aber mit der Buchpreisbindung nichts zu tun. Das Buchpreisbindungsgesetz besagt, dass eine Ausgabe eines Buches inkl. Umsatzsteuer (aka Mehrwertsteuer) überall gleich kostet. Der Endpreis eines Buches muss daher in allen Shops gleich sein.

Die Buchpreisbindung besagt nichts über das Verhältnis der Preise zwischen den einzelnen Ausgaben (Hardcover, Taschenbuch, E-Book) untereinander. Wie hoch der Preis eines E-Books ist, bestimmt der Verlag bzw. der Autor wenn er selber publiziert.

Hier ein konkretes Beispiel. Nehmen wir mal an der Verlag bestimmt für ein Buch folgende Preise:

  • Hardcover: 39 Euro
  • Taschenbuch: 19,95 Euro
  • E-Book: 14,95 Euro

Dann kann der Verlag nicht sagen: OK, dies sind die Preise für die Buchläden um die Ecke. Bei Amazon kosten die Bücher allerdings 42 Euro für Hardcover, 23 Euro für das Taschenbuch und 17 Euro für die digitale Ausgabe. Für die anderen Online-Shops überlegen wir uns andere Preise.

Nein, dass geht nicht. Hardcover muss überall 39 Euro und das E-Book überall 14,95 Euro kosten.

Deswegen ist in Deutschland und einigen weiteren europäischen Ländern eine Buch-Flatrate oder Aktionen wo Buchpreise temporär gesenkt werden so nicht möglich. Ein paar Ausnahmemöglichkeiten stehen den Verlagen zur Verfügung, wie z. B. Mängelexemplare oder Räumungsverkäufe.

Und warum sind dann die E-Books so teuer?

Vielfach gibt es kaum Unterschiede zwischen den Preisen der gedruckten und den digitalen Büchern. Warum das manche Verlage so handhaben ist mir ein Rätsel. So weit ich informiert bin machen der Druck, die Lagerung und der Transport ca. 20-25% des Buchpreises aus. Ich denke, dass sollten die Verlage auch an die Kunden weiter geben.

Günstiger wird es nur schwer gehen, weil die anderen Kosten gleich bleiben. Die Textkorrektur, das Lektorat, die Erstellung des Buchcovers und die Umwandlung des Manuskripts in das E-Book-Format muss auch jemand durchführen. Und der gierige Autor 😉 will auch ein paar Cent haben und seine Arbeit ist unabhängig davon im welchen Format das Buch dann veröffentlicht wird.

Dann darf man auch nicht vergessen, dass auch bei E-Books der Handel kräftig die Hand aufhält und das E-Books, mal von Amazon abgesehen, mit 19% Mehrwertsteuer belegt werden. Wogegen gedruckte Bücher nur 7% Mehwersteuer dazubekommen, wie Carsten in den Kommentaren richtigerweise ergänzte.

14 Reaktion(en)

  1. Ricarda

    Das mit den Preisen ist mir auch schon aufgefallen und irgendwie ein wenig bitter aufgestoßen, weil es ist ja im Endeffekt eine Datei, die erstellt wird und dann lediglich kopiert.
    Ein digitales Buch muss ja nicht immer wieder neu gedruckt und hergestellt werden. Trotzdem habe ich auch bei aktuellen Bestsellern Ebooks gefunden, die 30€ und sogar noch mehr gekostet haben.
    Das soll nicht so klingen, als würde ich es dem Autor nicht gönnen, Geld mit seinem Buch zu verdienen, aber Differenzen von 1-2€ bei so einer Höhe heißt für nur, dass die Preise unverhältnismäßig sind.
    Mich würde auch mal interessieren, ob Autoren vom Verlag für EBook-Versionen mehr/weniger oder gleichviel bekommen oder wie generell die Vergütung aussieht.

    1. Perun

      Hallo Ricarda,

      in den meisten Fällen lohnt sich für den Autor der Verkauf der E-Books mehr als von der gedruckten Version. Ich kenne da jemanden, der bekommt beim Verkauf der gedruckten Version 6% von dem Endpreis und bei E-Book 10%.

      Deswegen verfasste ich seinerzeit den Artikel:

      Kommentar: Unterstützt Buchautoren & kauft E-Books

      Was man bei E-Books nicht vergessen darf, dass auch hierbei die Händler kräftig die Hand aufhalten. je nach Preis des E-Books bekommt Amazon z. B. zwischen 30-70% ab. Bei anderen Plattformen ist es auch nicht besser.

      Wer also Autoren unterstützen möchte greift nach Möglichkeit zum E-Book. Wer auch noch den Verlagen was zukommen lassen möchte, der kauft das E-Book nach Möglichkeit im Shop des Verlages.

      Bei einer Neuauflage eines Romans hält sich die zusätzliche Arbeit noch in Grenzen. Bei der Schnelllebigkeit der IT-Themen, bedeutet eine neue Auflage eines Fachbuchs mehr oder weniger die Erstellung eines neuen Buches.

  2. Carsten

    Man darf nicht vergessen, dass sich die Mehrwertsteuersätze unterscheiden. Bei einem E-Book werden 19%, bei der gedruckten Ausgabe nur 9% fällig. Auch gibt es Kosten für den Vertrieb, die Datenhaltung, den Kopierschutz und die technische Weiterentwicklung. Außerdem besteht immer die Gefahr, dass man sich die Preise für das gedruckte Buch Kaputt machen kann. Wenn ein E-Book deutlich günstiger als ein P-Book ist werden sich weniger Leser gedruckte Bücher kaufen. somit sinken dann die Auflagenzahlen und das gedruckte Buch muss anders kalkuliert werden. D.h. es müsste teurer werden. Da Die meisten Verlage immer noch die gedruckten Bücher als Grundlage für Ihre Mischkalkulation sehen kann dieser Prozess nicht so schnell umgesetzt werden, ansonsten würde man sich seiner über Jahrzehnte aufgebauten Basis berauben.
    Wohin das führen kann sieht man dann in den USA. Wegen der starken digitalen Konkurenz gibt es weniger Taschenbücher. Sogar innerhalb von Reihen wechselt man dort vom günstigen Taschenbuch zum Hardcoverformat um die Verluste auszugleichen.

  3. Eva Ihnenfeldt

    Es ist wie mit Filmen und Musik. Man will digital nicht wirklich als "materiefrei" akzeptieren und die Preisgestaltung entsprechend absenken. Jetzt gibt es mehr und mehr preiswerte Streamingdienste, die das unterwandern. Wahrscheinlich werden wir auch bei ebooks etwas Ahnliches erleben – die Verlage und Produzenten sind einfach nicht produktinovativ, selbst schuld.

  4. Rainer Meyer

    Die Überschrift wirft eine interessante Frage auf, die aber leider nicht beantwortet wird. Hilfreich ist allerdings, dass gezeigt wird, was die Buchpreis-Bindung NICHT bewirkt, nämlich, dass E-Books relativ teuer sind.

    Die Buchpreis-Bindung bewirkt beim E-Book dasselbe wie bei jeden anderen Buch: Der Käufer kann davon ausgehen, dass er – egal, wo er das Buch kauft – immer denselben Preis bezahlen muss. Damit wird der Wettbewerb zwischen den Buchverkäufern teilweise ausgeschaltet, was ursprünglich mal zur Sicherung der Existenz der kleinen Buchläden gedacht war. Doch diese kommen kaum als Verkäufer für E-Books in Frage.

    Wenn man also im Sinne der Buchpreisbindung und der kleinen Buchläden handeln will, dann sollte man dann doch eher die gedruckten Exemplare der Bücher kaufen; möglichst beim kleinen Buchhändler um die Ecke. Auch dieser kann fast jedes lieferbare Buch innerhalb von 24 Stunden besorgen, meist ohne zusätzliche Kosten.

    1. Perun

      Lieber Rainer,

      Die Überschrift wirft eine interessante Frage auf, die aber leider nicht beantwortet wird. […] Die Buchpreis-Bindung bewirkt beim E-Book dasselbe wie bei jeden anderen Buch: Der Käufer kann davon ausgehen, dass er – egal, wo er das Buch kauft – immer denselben Preis bezahlen muss.

      ich habe irgendwie das Gefühl dass du nach der Überschrift aufgehört hast diesen Artikel zu lesen. Ich zitiere mich mal selber aus diesem Artikel:

      Das Buchpreisbindungsgesetz besagt, dass eine Ausgabe eines Buches inkl. Umsatzsteuer (aka Mehrwertsteuer) überall gleich kostet. Der Endpreis eines Buches muss daher in allen Shops gleich sein.

      und weiter unten folgt ein kleines Beispiel:

      Dann kann der Verlag nicht sagen: OK, dies sind die Preise für die Buchläden um die Ecke. Bei Amazon kosten die Bücher allerdings 42 Euro für Hardcover, 23 Euro für das Taschenbuch und 17 Euro für die digitale Ausgabe. Für die anderen Online-Shops überlegen wir uns andere Preise.

      Nein, dass geht nicht. Hardcover muss überall 39 Euro und das E-Book überall 14,95 Euro kosten.

      Dann schriebst du noch folgendes:

      Wenn man also im Sinne der Buchpreisbindung und der kleinen Buchläden handeln will, dann sollte man dann doch eher die gedruckten Exemplare der Bücher kaufen; möglichst beim kleinen Buchhändler um die Ecke.

      Es hat keiner etwas im Sinne der Buchpreisbindung gefordert und die Buchläden brauchen keine Unterstützung, da vom Buchpreis bis zu 50% im Handel bleibt und der Handel dadurch mehr verdient als der Verlag und deutlich mehr als der Autor.

  5. Rainer Meyer

    Es hat keiner etwas im Sinne der Buchpreisbindung gefordert und die Buchläden brauchen keine Unterstützung, da vom Buchpreis bis zu 50% im Handel bleibt und der Handel dadurch mehr verdient als der Verlag und deutlich mehr als der Autor.

    Da sind der Buchhandel insgesamt und insbesondere die kleinen Buchhändler sicher anderer Meinung. Schließlich gibt es seit langen die politische Forderung von neoliberaler Seite, dass man die Buchpreisbindung abschafft.

    Würde man die Buspreisbindung abschaffen, dann gingen insbesondere kleine Buchhändler Pleite, die Buchpreise würden vorübergehend sinken und die Autoren hätten ebenfalls Pech gehabt, denn sie bekommen ja nur einen prozentualen Anteil vom Preis des Buches. Langfristig steigen natürlich die Preise wieder, schließlich wird nach dem "Bereinigungsprozess" auf dem Buchmarkt die Konkurrenz reduziert. Davon könnten dann auch die Autoren profitieren, aber ob die das alle gut finden, wenn ihre Bücher nur noch online oder in ganz großen Länden beworben werden?

    1. Perun

      Hallo Rainer,

      Würde man die Buspreisbindung abschaffen, dann gingen insbesondere kleine Buchhändler Pleite

      in diesem Artikel ging es nicht um die Abschaffung der Buchpreisbindung. Sondern lediglich um den Hinweis, was die Buchpreisbindung bewirkt und was nicht: da viele Leute fälschlicherweise die Buchpreisbindung für die E-Book-Preise verantwortlich machen.

      Da sind der Buchhandel insgesamt und insbesondere die kleinen Buchhändler sicher anderer Meinung.

      Meinungen kann man haben, Fakten zeigen aber ein anderes Bild. Auch der kleine Laden um die Ecke kassiert so ca. 30-35% des Buchpreises, die größeren Händler kassieren noch mehr: bis zu 50%. Die Autoren werden dann mit ca. 4-6% abgespeist. Das weiß ich aus Gesprächen mit mehreren Leuten, die für Verlage arbeiten.

  6. Pingback: Macht die Buchpreisbindung für digitale Bücher Sinn? » News und Tipps für Verbraucher

  7. Bertram Simon

    Ich habe mir extra ein Kobo Touch gekauft, weil ich damit über meine Stadtbücherei auf http://www.onleihe.net/ Bücher kostenfrei ausleihen kann. Ich mag das Konzept der öffentlichen Büchereien seit meiner Kindheit, weil ich sehr selten ein Buch mehr als einmal lese. Mein Papierbücher habe ich alle verschenkt oder als Altpapier versenkt.

    Persönlich kann man seine eBooks nicht verleihen, was m. E. gegen den hohen Preis spricht. Was mich zudem verwundert: Es sind sehr oft Fehler in den eBooks. Falsche Trennung, falsche Darstellung von Sonderzeichen usw. Das wundert mich, weil ich bei den Preisen von einem Lektorat ausgegangen bin. Auch die Festlegung von einer festen Schrift und -größe bei einigen Büchern halte ich für falsch. Schließlich sind doch individuelle Einstellungen ein großes Plus bei den eBook-Readern.

  8. Sebastian

    Ich finde das auch "frech", das hier weiter fleissig Geld verdient wird.
    Wenn man das mit der Musikindustrie vergleicht:
    Maxi-CD: 5 EUR
    Download-Song: 0,99 EUR

    Beim Download-Song wurde man eingeschränkt, das man nur bestimmte Geräte nutzen konnte bzw brennen. Inzwischen ist es komplett offen. Nur verkaufen kann man den Song nicht mehr. Aber für 1/5 des Preises ok.

    Wär beim Buch:
    Taschenbuch: 19,95 Euro
    eBook: 3,99 EUR

    Und bei solch einem Preis, würde ich sofort ein eBook kaufen.

    1. Perun

      Hallo Sebastian,

      dein Vergleich hinkt aus zwei Gründen. Du vergleichst ein Album und eine Single-Auskopplung aus dem Album mit komplett-Buch in analaog und digital. Dein Vergleich würde stimmen, wenn man E-Books kapitelweise kaufen könnte.

      Darüberhinaus sind die beiden Felder so nicht vergleichbar. Musiker und die Musikindustrie können durch Konzerte und durch Merchandising (Poster, T-Shirts etc.) tweilweise mehr als durch den Verkauf der Musikstücke verdienen.

      Das bleibt den allermeisten Autoren, mal von Schätzing Co. abgesehen, verschlossen. Oder möchtest du evtl. von mir auch ein T-Shirt kaufen oder 50 Euro dafür zahlen, dass ich dir 45-60 Minuten aus meinem Praxisbuch vorlese? 🙂

  9. Hans

    Der wirkliche Kulturschaffende ist der Autor, und an dessen Entlohnung würde auch eine Aufhebung der Buchpreisbindung nichts ändern.

    Aber das Problem ist wirklich, dass die deutsche Politik die Privilegien der Buchbranche, die mehr als 100 Jahre alt sind, nicht antasten will. Man traut sich einfach nicht. Obwohl in Schweden, GB und der Schweiz die Buchpreisbindung schon, als unzeitgemäß betrachtet, abgeschafft wurde. Dennoch halten sich da auch unabhängige Buchhändler. In Deutschland ist es eher so, dass große Ketten dank Preisbindung die dicksten Margen haben und einen Verdrängungswettbewerb starten konnten.

    Ich bestelle schon jetzt deutsche Bücher aus dem Ausland, weil sie da trotz Portos billiger sind als in Deutschland selbst. Kulturförderung sieht anders aus.

    Hoffen wir mal, dass sich ein grenzüberschreitender EU-Binnenmarkt für e-Books etablieren kann. So kann dieser deutsch-bürokratische Unsinn bald ein Ende finden.

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