Sterben Sidebars aus?

Symbolbild: KĂŒken

Klassische Websites bestehen oder bestanden aus vier verschiedenen Bereichen: einem Header, einem Hauptteil, einem Footer und einer Sidebar.

Der Header enthĂ€lt meist auch die Navigation fĂŒr die Website, im Hauptteil findet man den eigentlichen Inhalt, im Footer sind oft weiterfĂŒhrende Links enthalten und in der Sidebar…. ja, wofĂŒr ist eigentlich die Sidebar da?

Üblicherweise wird die Sidebar (manchmal auch der Footer) einer WordPress-Website mit Widgets gefĂŒllt. Dazu gehören zum einen die Widgets, die WordPress selbst bietet, wie z. B. eine Liste der letzten veröffentlichten BeitrĂ€ge, eine Liste der Kategorien und Schlagworte, eine Liste der aktuellsten Kommentare. Es gehören aber auch Widgets dazu deren Inhalte von Plugins gesteuert werden, wie z. B. Kontaktformulare, Newsletter-Anmeldungen oder Werbeblöcke.

Aufbau einer klassischen Website

Das kommende Standard-Theme Twenty Twentytwo wird keine Sidebar haben und keinen separaten Widget-Bereich, wie man ihn von Ă€lteren Themes kennt. Die Frage steht also im Raum „Sterben Sidebars aus?“ Und falls das so ist, werden sie vermisst werden oder hat sich das Konzept Sidebar ĂŒberlebt, wird evtl. durch etwas Neues ersetzt?

ZunÀchst einmal ist festzustellen, dass die oben beschriebene klassische Aufteilung einer Webseite nur noch selten anzutreffen ist bzw. meist nicht mehr auf Startseiten zu finden ist. Startseiten nutzen hÀufig ein sogenanntes Magazin-Layout, um unterschiedliche Inhalte zu strukturieren. Sidebars sind oft nur noch auf Blogseiten zu finden.

Ein Grund scheint wohl die Feststellung von Websitebetreibern zu sein, dass Inhalte in der Sidebar nicht so gut wahrgenommen werden. Konkret festgestellt und dokumentiert hat dies z. B. David Risley in seinem Beitrag Blog Sidebars Are Dead: 310% Better Conversion Rate Without A Sidebar.

Aber auch wir hier bei perun.net haben schon festgestellt, dass etwa die Kontaktformulare in der Sidebar wesentlich schlechte Leistung zeigen als Kontaktformulare auf einzelnen Seiten, obwohl man ja meinen könnte, dass sie in der Sidebar schneller erreichbar sind.

Mögliche GrĂŒnde

Geringer Mehrwert

Oft wurden/werden in der Sidebar Inhalte platziert, die sekundĂ€rer Natur sind, die nur zusĂ€tzliche Informationen enthalten, nicht aber die essentiellen. So sind Listen ĂŒber die letzten BeitrĂ€ge, die letzten Kommentare, die am hĂ€ufigsten genutzten Schlagwörter zwar Infos, aber der Informationsgehalt ist nicht besonders groß.

Hier kommt also die Frage was war zuerst? Verloren die Besucher das Interesse an diesen zusÀtzlichen Informationen und stellten die Betreiber dann das geringe Interesse fest oder stellten die Betreiber zuerst die geringe Interaktion mit diesen Inhalten fest und platzierten daraufhin in der Sidebar weniger relevante Infos?

Es ist die klassische Frage: Was war zuerst da: das Huhn oder das Ei?

Mobile Ausgabe

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der sicherlich auch dazu beitrĂ€gt, dass Sidebars sowohl von Websitebetreibern weniger fĂŒr wirklich relevante Inhalte genutzt werden und gleichzeitig auch von Besuchern weniger wahrgenommen werden, ist die Platzierung auf mobilen EndgerĂ€ten. Sidebars “rutschen” nĂ€mlich unter den Inhalt, d. h. eine Information, die auf einem breiten Bildschirm neben dem eigentlichen Inhalt platziert ist, wird auf schmalen Bildschirmen unterhalb des Inhalts platziert und ist dadurch weit weniger sichtbar.

Ausblick

Die Frage ist also: Sterben Sidebars aus? Oder haben Sie doch noch eine Daseinsberechtigung? Oder mĂŒssen sie sich vielleicht neu erfinden? Welche Inhalte könnten in Zukunft helfen, um Sidebars wieder attraktiver zu machen? Oder benötigen wir gar keine Sidebars mehr? Was meint ihr?

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8 Kommentare

  1. Ich denke, es kommt immer darauf an, ob man etwas hat, was “unabhĂ€ngig” vom Üblichen angepriesen werden muss. Das sehe ich vor allem bei Nachrichtenseiten bzw. bei Seiten, auf denen wirklich thematisch viel los ist. Hier kann die Sidebar, sinnvoll genutzt, eine Art Anker darstellen, der sich so durch die gesamte Website zieht.

    Klar ist aber auch: Die Sidebar darf inhaltlich nicht nerven und muss Mehrwert liefern. Als reiner Platz fĂŒr den AdSense-Banner ist der Ort verschenkt und es macht Sinn zu ĂŒberlegen, was man fĂŒr Besucher “von oben nach unten” in der Sidebar liefert und auch fĂŒr den umgekehrten Weg. Ich sehe nĂ€mlich in meiner Webstatistik, dass Benutzer, die eine Content-Seite wieder hochfahren, gerne bei einem der letzten Artikel, die beim Hochfahren in der Sidebar erscheinen, weiterspringen.

  2. Ich bin vor lĂ€ngerer Zeit auf das Astra Theme gewechselt. Ich fand das luftige Flair des Themes passend, weil ich einfach meinen Texten Raum geben wollte. Dabei störte die Sidebar nur. Bei Astra ist sie wohl ohnehin nicht standardmĂ€ĂŸig aktiv. Da kann ich mich aber auch tĂ€uschen.

    Jedenfalls kamen zu mir immer mehr mobile Nutzer. Und die sind vor dem Wechsel zu Astra gar nicht bis zur Sidebar gekommen, weil die unten drangeklatscht war.

    Das Einzige, das ĂŒberhaupt dann und wann in der Sidebar genutzt wurde, war die Blogroll. Und die habe ich auf einer extra Seite als “Lesezirkel” weiterleben lassen. Es fehlt also nicht so richtig etwas.

  3. Die Sidebar auf meiner Website ist – auf Smartphones – oben ĂŒber dem Inhalt und ausklappbar. Ohne Widgets wĂŒrde mir im WordPress eindeutig was fehlen und Desktopnutzer sind nun mal immer noch keine winzige Minderheit.

  4. Hallo Thordis,

    tatsÀchlich wird die Sidebar kaum noch wahrgenommen. Mobil ist sie ohnehin obsolet. Am Desktop höchstens nett nebenbei.

    Aber der Fokus liegt nunmal im Content selbst. Wer dort Àhnliche Sachen platziert, wie in der Sidebar hat eventuell mehr davon.

    Ich als Blogger der alten Zeiten, fÀnde es schade, die Sidebar zu verlieren. Der Trend geht aber nunmal dorthin.

    Viele GrĂŒĂŸe
    Ronny

  5. Ich publiziere fĂŒr das KlimabĂŒndnis Hamm. Dabei muss ich die Einordnung der BeitrĂ€ge fĂŒr die BĂŒndnispartner beachten. Öffnet der Leser z.B. einen Beitrag des BĂŒndnispartners NABU, bekommt er in der Sidebar einen Überblick weiterer BeitrĂ€ge zum NABU. Ich wĂŒsste nicht, wie ich das anderes realisieren sollte.

  6. Also ich bin ja oldschool und ein großer Fan der Sidebar. Schlimmer als eine evtl. wenig genutzte Sidebar ist eine in der Breite unbeschrĂ€nkte Contentseite, deren Text nicht im Blick behalten werden kann … 😉
    Aber der wahre Tod der Sidebar ist die Mobile Ausgabe. Desktop-Webauftritte mit der von dir skizzierten klassischen Aufteilung wollen den Effekt des Showrooms nutzen: Der Besucher kommt ĂŒber die Suchmaschine, scannt den Text mehr oder weniger intensiv und bekommt dann Anreize, zum Verbleib auf der Seite (Kategorien, Tags, Meist gelesen usw. …)
    Das fĂ€llt mobil alles weg bzw. muss durch neue Lösungen umgesetzt werden – die ich aber bis dato nicht sehe.

  7. Die klassischen WordPress Sidebar-Elemente (Suchformular, Kategorieliste, Tag-Cloud und Monatsarchiv) platziere ich gerne unterhalb des Site-Headers in ein ĂŒber ein Hamburger-Icon aufklappbares Mega-MenĂŒ. Kann man komplett in header.php reinschreiben. Die Desktop-Ansicht sieht dann viel aufgerĂ€umter aus und fĂŒr MobilgerĂ€te ist das eh die richtige Stelle.

    Eine Daseinsberechtigung sollte man immer davon abhĂ€ngig machen, was in Bezug auf die Nutzerzahlen am besten funktioniert. Es kommt darauf an, fĂŒr was man WordPress einsetzt und wo die Besucher herkommen. Wenn bei einem Themenblog die meisten Besucher von Google direkt in einen Deeplink reinkommen, weil sie auf der Suche nach einer ganz bestimmten Information sind, braucht man die Ansicht nicht mit Navigationselementen zu ĂŒberfrachten. Aber wenn sie eher ĂŒber DesktopgerĂ€te und die Startseite kommen, kann es sinnvoll sein, die Sidebar zu zeigen.

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