Urheber-Recht gibt es nicht mehr

Also manche Aussagen sind einfach zu köstlich und die wollte ich euch nicht vorenthalten. Aber erstmal die Vorgeschichte. Kai Pahl betreibt ein Sport-Weblog und bietet, wie wahrscheinlich 99% der Blogger, auch ein RSS-Feed an und zwar als Voll-Feed – so wie es sich gehört.

Jetzt kommt der Betreiber von sportal1.de daher, ĂŒbrigens ein ganz schlauer, wie es sich spĂ€ter herausstellen wird und bindet ungefragt den vollen Newsfeed von Kais und einigen anderen Websites in sein eigenes Angebot ein … aber so, dass erst auf den 3. oder 4. Blick zu erkennen ist, vorher der Inhalt eigentlich kommt. Kai findet das heraus und schreibt folgendes in seinem Blog:

Ich war dann heute abend etwas erstaunt, als ich den Full Text-Feed von allesaussersport in voller LĂ€nge auf sportal1.de als “GĂ€ste-Blog” wiederfand. Garniert mit Google-Text-Ads und ein bißchen Google-Mana fĂŒr die Autovermietungs-Software aus dem Hause Maris Software.

So und ab jetzt fÀngt es an nach Monty Python zu riechen. Der Betreiber von sportal1.de kommentiert im Kais Blog:

Als Webmaster muß ich Ihnen wohl nicht sagen, was RSS bedeutet und was der Sinn davon ist.
Wenn Sie RSS-Feeds zur VerfĂŒgung stellen, dann MUSS man davon ausgehen, daß Sie mit der weiteren Verwendung der darĂŒber gelieferten Inhalte auch auf fremden Webseiten einverstanden sind.

Doch das ist nicht alles:

Da ich gesehen habe, daß Sie auf Ihrer Seite eigens ein Thema zu dieser Problematik hier eröffnet haben, was uns natĂŒrlich ehrt, dabei aber gar nicht freundlich haltlose VorwĂŒrfe gegen uns erheben, so daß eigentlich wir eine rechtliche Handhabe gegen Sie hĂ€tten […]

Also halten wir mal fest. Jemand versucht sich mit fremden Inhalten Vorteile (Inhalt fĂŒr die Website, Geld durch Werbung) zu verschaffen und anstatt sich zu entschuldigen versucht er das Urheberrecht und RSS neu zu definieren.

Ich fĂŒhre die “Logik” des besagten Herren einfach mal weiter:

  • Jemand dessen Auto geklaut wird ist ja selber schuld, was parkt er das Auto auch auf der Straße
  • Jemand der in einer Kneipe verprĂŒgelt wird hat das gewollt, sonst wĂŒrde er ja auch nicht in die Kneipe gehen
  • Ein Buch-Autor freut sich wenn jemand sein Werk 1:1 kopiert und als eigenes ausgibt … sonst wĂŒrde der Buch-Autor doch keine BĂŒcher veröffentlichen. Ist doch logisch!

Ich frage mich nur … warum versuchen es die Leute nicht einfach mit eigenem Inhalt? So schwer ist das nicht. Und wenn schon fremder bzw. aggregierter Inhalt, wird denn jemanden ein Ei aus der Hose fallen wenn man vorher bei dem Autor nachfragt?

Via Robert

Diesen Beitrag teilen:

Verwandte BeitrÀge:

18 Kommentare

  1. […] Ich schließe mich natürlich den Meinungen der einzelnen Blogs an. […]

  2. Das Thema RSS und Urheberrechte ist trotz Regelungen aus der Offline-Welt in der BlogosphÀre eher ungeklÀrt, insofern definiert ein Content-Dieb RSS nicht neu, sondern hÀlt sich einfach nicht an den lockeren Konsens, auf den alle wie selbstverstÀndlich vertrauen.

    Ich finde es schon seltsam, dass viele große Blogs, die von verstĂ€ndigen und in dem Thema sensiblen Menschen gefĂŒhrt werden, keine ausdrĂŒcklichen Nutzungsbedingungen fĂŒr ihre Feeds aufstellen. NatĂŒrlich kann man sich auf Common Sense und das Urheberrecht verlassen, aber dann ist man, wie diese Episode zeigt, selbst verlassen.

    Ärger mit Leuten, die meinen, RSS hieße automatisch Public-Domain-Inhalte, hatten wir auch mehrfach – da haben wir einfach ausdrĂŒckliche Nutzungsbedingungen aufgestellt und damit war die Sache gegessen. Die mögen zwar aus streng rechtlicher Sicht unnötig sein (Urheberrecht existiert), sind aber eine Argumentationshilfe bei Nixblickern, die mit ihrem Anwalt drohen. Wir selbst wollen natĂŒrlich auch nicht bei jedem kleinen Content-Klau unseren Anwalt bemĂŒhen, daher lieber diese PrĂ€vention.

  3. Man mag es echt kaum glauben. Einen Blog zu klauen und daraus noch mit Google geld machen? Na schönen dank auch. RSS-Feeds waren eigentlich dafĂŒr gedacht einen schnellen ĂŒberblick ĂŒber neue Sachen in der Welt zu bekommen. Aber wie man die Technik einsetzt.. unglaublich!

  4. Ich habe vor einiger Zeit selbige Erfahrung mit dem Feed meines Textpattern Resource Blogs gemacht. oscms.at hat den fleißig eingebunden ohne Angabe der Quelle, ohne zu Fragen. Ich hab ihm mit Abmahnung gedroht :twisted:, da hat sich der Fall dann schnell erledigt. Der Typ hat aber auch so argumentiert: sie bieten den Feed an und dann kann den doch jeder wie er/sie will nutzen.

    Ich unterstelle mal 98% aller die so argumentieren einfach nur große Dreistigkeit.

  5. So sieht leider auch die RealitĂ€t aus. Genau aus diesem Grund weigere ich mich, RSS-Feed meines Blogs als Voll-Feed anzubieten: Will mit dem Dieb nachher nicht diskutieren und mir dumme SprĂŒche anhören.

    Ist zwar schön und gut, dass der Leser den vollen und ganzen Artikel lesen kann, doch ich als Autor will Sicherheit und nicht unnötige Sorgen haben.

  6. molily #3:

    Das Thema RSS und Urheberrechte ist trotz Regelungen aus der Offline-Welt in der BlogosphÀre eher ungeklÀrt, insofern definiert ein Content-Dieb RSS nicht neu, sondern hÀlt sich einfach nicht an den lockeren Konsens, auf den alle wie selbstverstÀndlich vertrauen.

    Man muss gar nichts explizit sagen oder klĂ€ren. Jedes Werk, das man schafft und eine gewisse Werkshöhe erreicht (das ist hier der Fall) ist durch deutsches Recht automatisch urheberrechtlich geschĂŒtzt. Das hat nichts mit “Konsens” zu tun. Zu glauben, man könne das einfach nehmen und WErbung drumrum pappen: Ernsthaft, da muss man doch kein Genie sein um zu sehen, dass das so nicht richtig sein kann.

    Die Antwort des Contentdiebes offenbarte lediglich unfassbare Unwissenheit gepaart mit einer gehörigen Portion Dummheit.

  7. Vom Urheberrecht und anderen Kleinigkeiten…

    Einfach nur gut. Ich bin nicht alleine mit dem Content-Klau von Weblogs. Auch Robert Basic beschreibt hier einen Fall, der mich sehr stark an die Freunde von finanzblogs.com erinnert.

    Auch die Herrschaften waren etwas dĂŒpiert ĂŒber meinen Wunsch, da…

  8. lustigerweise werden diejenigen, die versuchen mit dem, sagen wir mal, anderswo abgeholten content geld zu verdienen, am schnellsten pampig und argumentieren mit “dann dĂŒrfen sie halt keinen feed anbieten”.

    am besten gefĂ€llt mir dann immer auch, wenn es heisst, das die anderen das auch alle machen wĂŒrden und man somit vielleicht erstmal technorati oder bloglines anmeckern sollte. argumentiere ich dann mit “haben sie vielleicht schon mal bedacht, das ich bloglines die nutzung des feeds gestatten möchte, ihnen aber nicht?” ist dann schweigen im walde.

  9. NatĂŒrlich ist es nicht die feine englische Art, aber ich muss schon zugeben, dass er zum Thema RSS nicht ganz Unrecht hat. RSS wurde auch dafĂŒr entwickelt die Inhalte, die via RSS veröffentlicht werden auf Websites einzubauen. Aber ich gebe dir natĂŒrlich Recht, dass so etwas nicht den Hauptteil des Inhalts seiner eigenen Seite ausmachen sollte/dĂŒrfte, vor allem wenn der eigentliche Autor das nicht möchte.

  10. Dass ein RSS-Feed beliebig verwendet wird, war wohl kaum die Absicht der Erfinder. Nicht umsonst gibt es das Copyright-Tag im Feed.

    Nachdem ich hier gelesen habe, wie dreist Inhalte geklaut werden, frage ich mich, was man da zusÀtzlich zu seinem Namen hineinschreibt.

    Inhalt wird immer geklaut werden. Auch ich habe damit schon Erfahrungen (Text 1 : 1 ĂŒbernommen, dann meinen Namen entfernt und mit eigenem unterschrieben, danach auf Pay-Seite angeboten). Eigentlich sagt “der gesunde Menschenverstand”, dass das Vorhandensein von Etwas nicht bedeutet, darĂŒber könne man beliebig verfĂŒgen.

  11. @IcyT: RSS ist eine Technik, die entwickelt wurde, um strukturierte Daten zu verteilen. Diese Daten sind Inhalt/Content und dieser unterliegt wiederum – einfach gesagt – dem Urheberrecht. Die Technik RSS hat nichts mit einem expliziten Einbauwunsch des Datenerzeugers zu schaffen. DafĂŒr braucht man auch keinen expliziten Hinweis zum Nutzungsrecht einzubauen, weil das alles schon hĂŒbsch in Paragraphen festgelegt ist.

    Um bei Peruns Beispiel zu blieben: Cabri anschauen gerne, Einsteigen und Wegfahren nein, selbst wenn der SchlĂŒssel steckt (Vollfeed).

  12. Eigentlich ein BubenstĂŒck, ĂŒber welches man unglĂ€ubig lĂ€cheln möchte, wenn es denn nicht so ernst wĂ€re. NatĂŒrlich unterliegt auch ein RSS-Feed dem Urheberrecht und -schutz. Es ist ja auch nichts anderes als die Veröffentlichung eigener Texte vom Weblog, also eine andersartige Darstellung des gleichen Contents, der natĂŒrlich den Urheberschutz genießt. Alle anderen Aussagen jenes obskuren Betreibers sind wohl eher AuswĂŒchse seiner Wunschvorstellungen sich ĂŒberall bedienen zu dĂŒrfen.
    Das Internet ist kein Schlaraffenland und war es auch noch nie.

  13. Dem Kreativen wachsen die Federn,
    mit denen der EinfĂ€ltige sich schmĂŒckt.

    Zitat von Annette Andersen

    Gruß und Freude weiterhin,
    Henning

  14. Willkommen im Club.
    @Sergej: Heute habe ich denn nun auch bei mir auf Kurztext umgestellt.
    – Da mir neulich ein Anwalt bedeutete, es gĂ€be kaum eine Handhabe gegen einen im Grenzgebiet zu Deutschland lebenden Polen, der meine Texte klaute, rief ich kurzerhand seinen Wohnort (Wohis) an (Ist der dort gemeldet?). Aber gehört habe ich seitdem nichts. Ich habe auf Peruns Seite eigentlich nach einer Lösung fĂŒr das Problem gesucht (wo sonst, wenn nicht hier), aber anscheinend helfen auch keine Fingerprints, Copyrights o. Ă€. Der Content-Dieb verdient mit den AdSense-Anzeigen auf meine Kosten. Das wurmt mich wahnsinnig, zumal ich mit Texten mein Geld verdiene. Könnte es nicht ein eintrĂ€gliches GeschĂ€ft sein, solche Diebe dingfest zu machen, den Spieß einfach umzudrehen? 🙄

Kommentare sind geschlossen.