Im Web, in den sozialen Netzwerken und in den Foren sehe ich häufiger, wie sich Leute über die KI bzw. über diverse Fälle von AI Slop lustig machen. Im Prinzip finde ich das völlig in Ordnung und darüber sollten wir uns auch lustig machen. Wir sollten uns auch über die Fälle lustig machen, in denen die KI sich irrt oder in die Irre geführt wird. Beispiele dafür gibt es massig.
AI Slop: Hierbei handelt es sich um Fälle, in denen mit der KI unsinnige Texte, kitschige Bilder, absurde Videos und sonstige minderwertige Inhalte erzeugt werden.
Vor ein paar Wochen teilten diverse Leute Antworten von ChatGPT, Claude & Co., wo man die KI fragte, ob man auf dem Weg zur Waschanlage um die Ecke zu Fuß gehen oder mit dem Auto fahren sollte. Viel zu häufig ließ sich die KI in die Irre führen und antwortete, dass die Leute zu Fuß gehen sollten, weil es besser für die Umwelt wäre. Jeder, der mal ein Auto hatte, weiß, dass die Antwort völliger Käse ist. 😊
Wie gesagt, sich darüber lustig zu machen, ist völlig legitim. Allerdings sehe ich bei vielen Menschen die Tendenz, dass sie sich mit Hinweis auf solche Fälle erhoffen, dass sie irgendwie die Verbreitung von KI stoppen oder zumindest verlangsamen könnten.
Und hierbei rate ich zu einer nüchternen und realistischen Betrachtung: Nein, das wird die Verbreitung von KI weder verlangsamen noch stoppen. Der Drops ist schon längst gelutscht und der Zug vor langer Zeit abgefahren. Und auch für die »Hoffnung«, dass die Blase irgendwann platzen muss, rate ich, nicht allzu sehr darauf zu hoffen.
Die Entscheidung fällt oft woanders
Es ist nicht wichtig, was die KI tatsächlich kann, sondern was dein Chef oder Auftraggeber denkt, dass die KI kann.
Ich lese viel zu diesem Thema, beobachte und unterhalte mich mit Kollegen, die entweder in anderen Firmen arbeiten oder als Freelancer unterwegs sind. Wenn der Vorgesetzte oder jemand, der die Marschrichtung bestimmt, entscheidet, dass für bestimmte Vorgänge und Arbeitsschritte die KI eingeführt wird, dann wird das so kommen. Klar, du kannst auf die Schwächen und Probleme hinweisen. Es wird aber dennoch eingeführt.
Und wenn das Ding mal läuft, Prozesse angepasst, Workflows umgebaut und Mitarbeiter geschult wurden, dann wird man nicht umkehren, wenn sich deswegen neue Probleme zeigen. Dann wird weiter optimiert, nachgeschult, KI-Budget wird aufgestockt usw.
Eher ist man bereit, Leute zu entlassen, offene Stellen nicht zu besetzen und an Lohnerhöhungen, Weiterbildungen und anderen Vorteilen der Mitarbeiter zu sparen, als das Rad zurückzudrehen. Das Rad zurückzudrehen würde bedeuten, dass man versagt hat und die ganzen eingesetzten Investitionen und Ressourcen die Firma nicht weitergebracht haben. Das Prinzip kennen viele von uns auch von früheren Ereignissen und Trends.
Und es wäre auch falsch, das Rad zurückzudrehen. Vernünftig eingesetzt kann die KI durchaus hilfreich sein und die Produktivität massiv erhöhen.
Fazit aka lange Rede, kurzer Sinn
Was heißt das für jeden von uns? Ich denke, es ist Zeitverschwendung, zu hoffen, dass es wieder so wird wie vor Dezember 2022. Der Geist ist schon längst aus der Flasche und hat sich sogar mehrfach vermehrt. Hoffe auch nicht auf das Platzen der »KI-Blase«. Darüber wird seit Anfang 2023 spekuliert. Keiner weiß, ob sie kommt und wann. Auch wenn die irgendwann platzen sollte, wird die KI dennoch bleiben. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase ist das Web auch nicht verschwunden.
Mein Rat: Bilde dich zum Thema KI fort, so gut es geht. Dann weißt du, was damit machbar ist und wo die Schwächen liegen. Du kannst mit diesem Wissen in deinem Umfeld auf mögliche Probleme hinweisen, und falls man es trotz deiner Bedenken umsetzt, dann bist du dennoch vorbereitet und gerüstet.
Ich weiß, ich habe jetzt hier einige Selbstverständlichkeiten niedergeschrieben, die vielen von euch bereits bekannt sind. Aber dennoch übersehen wir häufig im Alltag das Naheliegende.
Wie seht ihr das? Ist der KI-Zug aus eurer Sicht wirklich schon abgefahren oder glaubt ihr noch an eine größere Gegenbewegung?

