Verliert WordPress wirklich an Boden?

WordPress: Verbreitung und Marktanteil (Juni 2026)

Seit ein paar Tagen macht der Artikel von Search Engine Journal die Runde: »WordPress Market Share Declines For Six Months In A Row«. Sechs Monate Rückgang am Stück und als Buhmann gleich der Streit zwischen Matt Mullenweg und WP Engine. Klingt nach Drama und Popcorn.

Ich beobachte diese Zahlen seit über zwölf Jahren und ich kann empfehlen, dass man sich die Zahlen in Ruhe anschaut, bevor man den Untergang von WordPress einläutet.

Verbreitung vs. Marktanteil

Bevor wir über Auf- oder Abstieg reden, müssen wir zwei Zahlen auseinanderhalten, die häufig vermischt werden. W3Techs weist beides getrennt aus:

  • Die Verbreitung (im Original »Usage«) sagt, welcher Anteil aller Websites WordPress einsetzt. Hier steht WordPress aktuell bei 41,9 % (Stand Juni 2026).
  • Der Marktanteil (»Market Share«) sagt, welchen Anteil WordPress unter den Websites mit erkennbarem CMS hält. Und das sind aktuell 59,4 %.

Der SEJ-Artikel spricht durchgehend von »market share«, nennt dann aber die 41- bis 43-%-Werte. Das ist die Verbreitung, nicht der Marktanteil. Ich möchte hier nicht kleinkariert klingen, aber die beiden Werte sollte man in diesem Fall schon auseinanderhalten.

Die 60-%-Marke ist gefallen

Und jetzt kommt der Punkt, der schon fast geschichtsträchtig ist. Vor über zwölf Jahren schrieb ich hier im Blog: »WordPress beherrscht 60 % des CMS-Marktes«. Das war im März 2014, auf dem Weg nach oben. Im März 2026 ist WP das erste Mal unter die Marke von 60 Prozent gesunken und befindet sich jetzt im Juni 2026 bei 59,4 % Marktanteil.

Der Marktanteil bröckelt allerdings nicht erst seit ein paar Wochen: Im April 2023 waren es noch 63,3 %, seitdem geht es Quartal für Quartal ein Stück bergab. Bei der Verbreitung lag der Höhepunkt im Januar 2025 bei 43,6 %, danach zeigt auch diese Kurve nach unten. So etwas kann man nicht kleinreden.

Sinkt WordPress jetzt in die Bedeutungslosigkeit?

Nein. Es empfiehlt sich, das Gesamtbild anzuschauen, bevor man den Niedergang ausruft. 59,4 % Marktanteil heißt, dass WordPress immer noch fast sechs von zehn CMS-Websites stellt. Der nächste Verfolger ist Shopify mit 7,4 %, dahinter Wix mit 6,1 %. Das ist kein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Spannender als das nackte Minus ist die Frage, wohin die Anteile wandern. Die gehosteten Baukästen legen zu, allen voran Shopify (von 5,5 auf 7,4 %) und Wix (von 3,7 auf 6,1 %), etwas gemächlicher Squarespace.

Die alte Garde verliert dagegen mit. Joomla und Drupal sind beide weiter geschrumpft. WordPress steht also nicht allein unter Druck, ist aber der mit Abstand größte Brocken, an dem geknabbert wird.

Woran hat et jelegen?

Wie so häufig im Leben: an mehreren Dingen gleichzeitig. Und sauber gewichten und trennen kann die Gründe niemand.

Woran hat et jelegen?

Da ist zum einen die Konkurrenz, die einerseits besser als früher ist. Schon 2022 hat Joost de Valk darauf hingewiesen, dass Wix und Squarespace bei Performance und SEO aufgeholt haben. Ich hatte das Thema damals hier aufgegriffen. Für Einsteiger, die einfach nur eine schnelle, ordentliche Website wollen, ist der Baukasten oft der bequemere Weg. Zumal wir nicht vergessen dürfen, dass einige der Baukastensysteme in der Vergangenheit viele Werbekampagnen durchgeführt haben. Da können Open-Source-Systeme logischerweise nicht mithalten.

Dann der Dauerbrenner Gutenberg und Full Site Editing. Ein gutes Stück der alten WordPress-Einfachheit und Schlichtheit ist auf dieser Reise verloren gegangen, und das spüren vor allem die Leute, die früher mit ein paar Klicks schnell eine Website online hatten.

Und ja, da ist natürlich der Streit zwischen Mullenweg und WP Engine, den SEJ zur Hauptursache erklärt. Hier wäre ich sehr vorsichtig. Der Konflikt eskalierte im Herbst 2024, der Marktanteil sinkt aber schon seit 2023. Korrelation ≠ Kausalität.

Dass die Querelen der Sache nicht geholfen haben, das denke ich schon. Aber als alleiniger Auslöser taugt der Streit nicht. Ich selbst halte ihn für lediglich einen nachgeordneten Grund, da der Streit an vielen einfachen Nutzern vorbeigegangen ist oder bestenfalls als Randnotiz registriert wurde.

Abwarten & Tee trinken

Es bleibt die Frage, ob das so weitergeht. WordPress 7.0 hat gerade KI-Funktionen in den Core geholt und das Dashboard aufgefrischt. Vermeintlicher Wendepunkt, den am Ende der SEJ-Artikel nennt. Ob das reicht, um die Kurve zu drehen, ich denke eher nicht. Wäre die Echtzeit-Kollaboration noch dazugekommen, dann hätte ich diese Einschätzung vorsichtig bejaht.

Ich glaube nicht, dass WordPress in Zukunft die alten Zahlen und Höhenflüge übertreffen wird. Es wird eher die Frage sein, ob WordPress weiterhin, langfristig und stetig Marktanteile verlieren wird, oder ob es sich kurz- bis mittelfristig stabilisiert und in den hohen Fünfzigern (55-59 %) gemütlich einrichtet.

Wie seht ihr die Entwicklung?

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