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Urheber-Recht gibt es nicht mehr

Von am 27. 04. 2007 um 03:52

Also manche Aussagen sind einfach zu köstlich und die wollte ich euch nicht vorenthalten. Aber erstmal die Vorgeschichte. Kai Pahl betreibt ein Sport-Weblog und bietet, wie wahrscheinlich 99% der Blogger, auch ein RSS-Feed an und zwar als Voll-Feed – so wie es sich gehört.

Jetzt kommt der Betreiber von sportal1.de daher, übrigens ein ganz schlauer, wie es sich später herausstellen wird und bindet ungefragt den vollen Newsfeed von Kais und einigen anderen Websites in sein eigenes Angebot ein … aber so, dass erst auf den 3. oder 4. Blick zu erkennen ist, vorher der Inhalt eigentlich kommt. Kai findet das heraus und schreibt folgendes in seinem Blog:

Ich war dann heute abend etwas erstaunt, als ich den Full Text-Feed von allesaussersport in voller Länge auf sportal1.de als "Gäste-Blog" wiederfand. Garniert mit Google-Text-Ads und ein bißchen Google-Mana für die Autovermietungs-Software aus dem Hause Maris Software.

So und ab jetzt fängt es an nach Monty Python zu riechen. Der Betreiber von sportal1.de kommentiert im Kais Blog:

Als Webmaster muß ich Ihnen wohl nicht sagen, was RSS bedeutet und was der Sinn davon ist.
Wenn Sie RSS-Feeds zur Verfügung stellen, dann MUSS man davon ausgehen, daß Sie mit der weiteren Verwendung der darüber gelieferten Inhalte auch auf fremden Webseiten einverstanden sind.

Doch das ist nicht alles:

Da ich gesehen habe, daß Sie auf Ihrer Seite eigens ein Thema zu dieser Problematik hier eröffnet haben, was uns natürlich ehrt, dabei aber gar nicht freundlich haltlose Vorwürfe gegen uns erheben, so daß eigentlich wir eine rechtliche Handhabe gegen Sie hätten [...]

Also halten wir mal fest. Jemand versucht sich mit fremden Inhalten Vorteile (Inhalt für die Website, Geld durch Werbung) zu verschaffen und anstatt sich zu entschuldigen versucht er das Urheberrecht und RSS neu zu definieren.

Ich führe die "Logik" des besagten Herren einfach mal weiter:

  • Jemand dessen Auto geklaut wird ist ja selber schuld, was parkt er das Auto auch auf der Straße
  • Jemand der in einer Kneipe verprügelt wird hat das gewollt, sonst würde er ja auch nicht in die Kneipe gehen
  • Ein Buch-Autor freut sich wenn jemand sein Werk 1:1 kopiert und als eigenes ausgibt … sonst würde der Buch-Autor doch keine Bücher veröffentlichen. Ist doch logisch!

Ich frage mich nur … warum versuchen es die Leute nicht einfach mit eigenem Inhalt? So schwer ist das nicht. Und wenn schon fremder bzw. aggregierter Inhalt, wird denn jemanden ein Ei aus der Hose fallen wenn man vorher bei dem Autor nachfragt?

Via Robert

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18 Kommentare

  1. 1.Content von Fussballblogs zweckentfremdet! : Bundesliga-Blog

    Pingback vom 27.04.2007 um 08:46

    [...] Ich schließe mich natürlich den Meinungen der einzelnen Blogs an. [...]

  2. 2.Webstandard-Team

    Kommentar vom 27.04.2007 um 08:53

    Die Erfahrung musste ich leider auch machen, aber mit fremden Federn schmücken ist leider keine Ausnahme mehr und reagieren tun die wenigsten.

  3. 3.molily

    Kommentar vom 27.04.2007 um 09:16

    Das Thema RSS und Urheberrechte ist trotz Regelungen aus der Offline-Welt in der Blogosphäre eher ungeklärt, insofern definiert ein Content-Dieb RSS nicht neu, sondern hält sich einfach nicht an den lockeren Konsens, auf den alle wie selbstverständlich vertrauen.

    Ich finde es schon seltsam, dass viele große Blogs, die von verständigen und in dem Thema sensiblen Menschen geführt werden, keine ausdrücklichen Nutzungsbedingungen für ihre Feeds aufstellen. Natürlich kann man sich auf Common Sense und das Urheberrecht verlassen, aber dann ist man, wie diese Episode zeigt, selbst verlassen.

    Ärger mit Leuten, die meinen, RSS hieße automatisch Public-Domain-Inhalte, hatten wir auch mehrfach – da haben wir einfach ausdrückliche Nutzungsbedingungen aufgestellt und damit war die Sache gegessen. Die mögen zwar aus streng rechtlicher Sicht unnötig sein (Urheberrecht existiert), sind aber eine Argumentationshilfe bei Nixblickern, die mit ihrem Anwalt drohen. Wir selbst wollen natürlich auch nicht bei jedem kleinen Content-Klau unseren Anwalt bemühen, daher lieber diese Prävention.

  4. 4.Björn Diekert

    Kommentar vom 27.04.2007 um 13:06

    Man mag es echt kaum glauben. Einen Blog zu klauen und daraus noch mit Google geld machen? Na schönen dank auch. RSS-Feeds waren eigentlich dafür gedacht einen schnellen überblick über neue Sachen in der Welt zu bekommen. Aber wie man die Technik einsetzt.. unglaublich!

  5. 5.alex

    Kommentar vom 27.04.2007 um 13:12

    Ich habe vor einiger Zeit selbige Erfahrung mit dem Feed meines Textpattern Resource Blogs gemacht. oscms.at hat den fleißig eingebunden ohne Angabe der Quelle, ohne zu Fragen. Ich hab ihm mit Abmahnung gedroht :twisted:, da hat sich der Fall dann schnell erledigt. Der Typ hat aber auch so argumentiert: sie bieten den Feed an und dann kann den doch jeder wie er/sie will nutzen.

    Ich unterstelle mal 98% aller die so argumentieren einfach nur große Dreistigkeit.

  6. 6. – Sergej

    Kommentar vom 27.04.2007 um 14:14

    So sieht leider auch die Realität aus. Genau aus diesem Grund weigere ich mich, RSS-Feed meines Blogs als Voll-Feed anzubieten: Will mit dem Dieb nachher nicht diskutieren und mir dumme Sprüche anhören.

    Ist zwar schön und gut, dass der Leser den vollen und ganzen Artikel lesen kann, doch ich als Autor will Sicherheit und nicht unnötige Sorgen haben.

  7. 7.marcel weiss

    Kommentar vom 27.04.2007 um 14:53

    molily #3:

    Das Thema RSS und Urheberrechte ist trotz Regelungen aus der Offline-Welt in der Blogosphäre eher ungeklärt, insofern definiert ein Content-Dieb RSS nicht neu, sondern hält sich einfach nicht an den lockeren Konsens, auf den alle wie selbstverständlich vertrauen.

    Man muss gar nichts explizit sagen oder klären. Jedes Werk, das man schafft und eine gewisse Werkshöhe erreicht (das ist hier der Fall) ist durch deutsches Recht automatisch urheberrechtlich geschützt. Das hat nichts mit "Konsens" zu tun. Zu glauben, man könne das einfach nehmen und WErbung drumrum pappen: Ernsthaft, da muss man doch kein Genie sein um zu sehen, dass das so nicht richtig sein kann.

    Die Antwort des Contentdiebes offenbarte lediglich unfassbare Unwissenheit gepaart mit einer gehörigen Portion Dummheit.

  8. 8.Perun

    Kommentar vom 27.04.2007 um 15:16

    @marcel weiss,

    genau so sehe ich das auch.

  9. 9. – Das Versicherungs Blog

    Trackback vom 27.04.2007 um 15:48

    Vom Urheberrecht und anderen Kleinigkeiten…

    Einfach nur gut. Ich bin nicht alleine mit dem Content-Klau von Weblogs. Auch Robert Basic beschreibt hier einen Fall, der mich sehr stark an die Freunde von finanzblogs.com erinnert.

    Auch die Herrschaften waren etwas düpiert über meinen Wunsch, da…

  10. 10.kiesow

    Kommentar vom 27.04.2007 um 18:05

    lustigerweise werden diejenigen, die versuchen mit dem, sagen wir mal, anderswo abgeholten content geld zu verdienen, am schnellsten pampig und argumentieren mit "dann dürfen sie halt keinen feed anbieten".

    am besten gefällt mir dann immer auch, wenn es heisst, das die anderen das auch alle machen würden und man somit vielleicht erstmal technorati oder bloglines anmeckern sollte. argumentiere ich dann mit "haben sie vielleicht schon mal bedacht, das ich bloglines die nutzung des feeds gestatten möchte, ihnen aber nicht?" ist dann schweigen im walde.

  11. 11. – IcyT

    Kommentar vom 27.04.2007 um 22:55

    Natürlich ist es nicht die feine englische Art, aber ich muss schon zugeben, dass er zum Thema RSS nicht ganz Unrecht hat. RSS wurde auch dafür entwickelt die Inhalte, die via RSS veröffentlicht werden auf Websites einzubauen. Aber ich gebe dir natürlich Recht, dass so etwas nicht den Hauptteil des Inhalts seiner eigenen Seite ausmachen sollte/dürfte, vor allem wenn der eigentliche Autor das nicht möchte.

  12. 12.Elmar

    Kommentar vom 28.04.2007 um 04:53

    Dass ein RSS-Feed beliebig verwendet wird, war wohl kaum die Absicht der Erfinder. Nicht umsonst gibt es das Copyright-Tag im Feed.

    Nachdem ich hier gelesen habe, wie dreist Inhalte geklaut werden, frage ich mich, was man da zusätzlich zu seinem Namen hineinschreibt.

    Inhalt wird immer geklaut werden. Auch ich habe damit schon Erfahrungen (Text 1 : 1 übernommen, dann meinen Namen entfernt und mit eigenem unterschrieben, danach auf Pay-Seite angeboten). Eigentlich sagt "der gesunde Menschenverstand", dass das Vorhandensein von Etwas nicht bedeutet, darüber könne man beliebig verfügen.

  13. 13.Markus Merz

    Kommentar vom 29.04.2007 um 15:32

    @IcyT: RSS ist eine Technik, die entwickelt wurde, um strukturierte Daten zu verteilen. Diese Daten sind Inhalt/Content und dieser unterliegt wiederum – einfach gesagt – dem Urheberrecht. Die Technik RSS hat nichts mit einem expliziten Einbauwunsch des Datenerzeugers zu schaffen. Dafür braucht man auch keinen expliziten Hinweis zum Nutzungsrecht einzubauen, weil das alles schon hübsch in Paragraphen festgelegt ist.

    Um bei Peruns Beispiel zu blieben: Cabri anschauen gerne, Einsteigen und Wegfahren nein, selbst wenn der Schlüssel steckt (Vollfeed).

  14. 14.Teddykrieger

    Kommentar vom 01.05.2007 um 10:58

    Eigentlich ein Bubenstück, über welches man ungläubig lächeln möchte, wenn es denn nicht so ernst wäre. Natürlich unterliegt auch ein RSS-Feed dem Urheberrecht und -schutz. Es ist ja auch nichts anderes als die Veröffentlichung eigener Texte vom Weblog, also eine andersartige Darstellung des gleichen Contents, der natürlich den Urheberschutz genießt. Alle anderen Aussagen jenes obskuren Betreibers sind wohl eher Auswüchse seiner Wunschvorstellungen sich überall bedienen zu dürfen.
    Das Internet ist kein Schlaraffenland und war es auch noch nie.

  15. 15. – Henning Belgner

    Kommentar vom 17.08.2007 um 22:48

    Dem Kreativen wachsen die Federn,
    mit denen der Einfältige sich schmückt.

    Zitat von Annette Andersen

    Gruß und Freude weiterhin,
    Henning

  16. 16. – Ramona

    Kommentar vom 09.06.2008 um 14:51

    Willkommen im Club.
    @Sergej: Heute habe ich denn nun auch bei mir auf Kurztext umgestellt.
    – Da mir neulich ein Anwalt bedeutete, es gäbe kaum eine Handhabe gegen einen im Grenzgebiet zu Deutschland lebenden Polen, der meine Texte klaute, rief ich kurzerhand seinen Wohnort (Wohis) an (Ist der dort gemeldet?). Aber gehört habe ich seitdem nichts. Ich habe auf Peruns Seite eigentlich nach einer Lösung für das Problem gesucht (wo sonst, wenn nicht hier), aber anscheinend helfen auch keine Fingerprints, Copyrights o. ä. Der Content-Dieb verdient mit den AdSense-Anzeigen auf meine Kosten. Das wurmt mich wahnsinnig, zumal ich mit Texten mein Geld verdiene. Könnte es nicht ein einträgliches Geschäft sein, solche Diebe dingfest zu machen, den Spieß einfach umzudrehen? :roll:

  17. 17.Hauptsache Kommunikation » Textklau im Internet

    Pingback vom 09.06.2008 um 15:01

    [...] Leichter gesagt als getan. Der von mir sehr geschätzte Blogger Perun beschreibt ein ziemliches krasses Beispiel von Kontent-Klau: http://www.perun.net/2007/04/27/urheber-recht-gibt-es-nicht-mehr/#comment-51815. [...]

  18. 18. – Textklau in der Praxis : Hapke Media Magazin und Online-Shop

    Pingback vom 25.11.2010 um 15:41

    [...] Leichter gesagt als getan. Der von mir sehr geschätzte Blogger Perun beschreibt ein ziemliches krasses Beispiel von Kontent-Klau: http://www.perun.net/2007/04/27/urheber-recht-gibt-es-nicht-mehr/#comment-51815. [...]

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