Second Brain: WordPress als Wissensdatenbank 🧠🧠

Symbolbild: Zettelkasten, Archiv

Ich beschäftige mich seit einigen Monaten mit einem recht alten Thema, welches alle Jahre wieder unter einem anderen Namen auftaucht und in diversen Medien thematisiert wird. Vor einigen Jahren hieß das mal Wissensmanagement, dann später Informationsmanagement … oder war es umgekehrt?

Seit etwa zwei bis drei Jahren geistert der Begriff “Second Brain” herum und wird in diversen Medien thematisiert. Wenn wir die Uhr etwas weiter zurĂĽckdrehen, dann begegnet uns in diesem Zusammenhang auch noch der Begriff Zettelkasten-Methode, welches sich in gewissen Kreisen auch heute noch einer groĂźen Beliebtheit erfreut.

Inhalte sammeln, sortieren und verfĂĽgbar machen

Es geht darum, wie wir die ganzen Informationen, die uns begegnen, einsammeln und sortieren können, damit wir später von ihnen profitieren können. Im Prinzip geht es darum, wie du einerseits eine Wissensdatenbank aufbauen und wie du effektiv auf diese Inhalte zugreifen kannst. Vor allem das Zweite ist wichtig. Was nützen dir viele Informationen, wenn du nur schlecht auf diese zugreifen oder kaum davon profitieren kannst?

Zim Wiki, Notion, Obsidian & Co.

Da draußen gibt es schon seit längerer Zeit diverse Tools, die sich auf das Thema spezialisiert haben. Vor etwas mehr als zehn Jahren habe ich das Desktop-Tool Zim Wiki erwähnt. Das Tool funktioniert wie die ganzen Wikis, die wir alle kennen. Die einzelnen Seiten werden als Textdateien abgelegt und kannst du dann miteinander verknüpfen.

Viele schwören auf den Webdienst Notion. Auch ich arbeite damit seit einigen Monaten und das Tool hat einige Vorteile. Zum einen ist es, der webbasierte Zugang. Das ist wichtig, wenn du von mehreren Rechnern arbeitest. Zudem ist auf vielen Firmen-Laptops die Installation von Programmen beschränkt oder komplett deaktiviert. Hinzukommen die schnelle und ansprechende Oberfläche und der Einsatz von Markdown.

Das Tool Obsidian erfreut sich ĂĽber eine treue Community und ist der (vergleichsweise) neue Stern auf dem Second-Brain-Himmel. Es verfolgt einen interessanten Ansatz, aber da es momentan von Obsidian keinen Webclient gibt, ist es fĂĽr mich leider noch uninteressant.

Zettelkasten, Wissensdatenbank, Second-Brain mit WordPress?

Ich frage mich allerdings, ob eine solche Wissensdatenbank auch mit WordPress möglich wäre. Daher habe ich vor einigen Monaten testweise eine neue WordPress-Installation eingerichtet und habe dort bereits einiges an Inhalten und Fundstücken notiert. Aber warum WordPress?

Kurze Antwort wäre: warum nicht? Die längere Antwort wäre, dass WordPress so ziemlich alles beinhaltet, was ein solches System benötigt:

  • Eine klassische, hierarchische Sortierung der Inhalte durch die Kategorien. Ă„hnlich der Ordner-Struktur auf den Desktop-Systemen.
  • Eine flache Sortierung ohne Hierarchisierung durch die Schlagwörter. Von anderen Lösungen und Systemen kennt man das unter dem Namen Labels.
  • Eine Volltextsuche ist vorhanden.
  • Neben den Archiven fĂĽr Kategorien und Schlagwörter gibt es auch Datumsarchiv und ein Archiv der einzelnen Autoren.
  • Durch die eingebaute Datumsfunktion bei der Veröffentlichung und in den Permalinks ist somit eine chronologische Sortierung auch schon dabei.
  • Plattformunabhängig: Du kannst die Inhalte durch eine webbasierte Oberfläche oder durch Apps einpflegen und somit sind so ziemlich alle Systeme abgedeckt.
  • WordPress unterstĂĽtzt auch andere Clients. So kannst du etwa aus deinem E-Mail-Programm ohne oder mithilfe von Plugins bloggen.
  • Dank der vielen Tausend Plugins, findet sich einiges, was dir bei dem Vorhaben helfen kann.
  • Du kannst die interne Verlinkung nutzen, um Verbindungen unter den einzelnen Beiträgen zu schaffen.
  • Durch die hohe Popularität gibt es auch viele Anleitungen und Lösungen, auch zu recht exotischen Themen.
  • Datenschuz: Beim selbst-gehosteten WordPress gehören die Daten dir.

Das sind so ziemlich viele Vorteile, die fĂĽr einen Einsatz fĂĽr WordPress sprechen.

Gibt es auch Nachteile?

Aber, nur weil das in der Theorie möglich ist, heißt es noch lange nicht, dass es in der Praxis so funktioniert, wie man es sich vorstellt. Es ist nicht so, dass WordPress auch keine Nachteile hätte. Hier ein paar, die mir in der Praxis aufgefallen sind:

  • Du musst dich um alles kĂĽmmern: um das Hosting-Paket falls nicht vorhanden, um die Installation selbst. FĂĽr ein komplettes Backup musst du die FTP-Dateien und die Datenbank sichern. Ein dateibasiertes System wäre hier im Vorteil.
  • WP wurde in erster Linie dafĂĽr entworfen, Inhalte öffentlich zu publizieren. Wenn du also die Installation vor der Ă–ffentlichkeit abschirmen möchtest, dann musst du entweder ein Wartungs-Plugin installieren, oder wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, einen zusätzlichen, serverseitigen Passwortschutz einrichten. Zum Beispiel via .htaccess. Das ist ein zusätzlicher Schritt und macht es auf Dauer etwas unkomfortabler.
  • Funktionalität: Viele nĂĽtzliche Funktionen, wie man sie etwa von Notion oder Obsidian kennt, sind mit WordPress kaum oder nur schwer realisierbar. Beispiele dafĂĽr wären etwa der AI-Writer in Notion oder der Graph-View in Obsidian.
  • Ăśberfrachtet: WordPress hat sich in letzten Jahren noch mehr von einem schlanken Publishing-Tool zu einem Layouting-Tool entwickelt. Auch hier wäre ein schlankes, dateibasiertes Blog-System im Vorteil.

Wie schaut es bei euch aus? Habt ihr ein solches Projekt mit WordPress umgesetzt, plant ihr es? Welche anderen Tools bevorzugt ihr?

Image(s) licensed by Ingram Image/adpic.

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14 Kommentare

  1. Wir setzen seit ewig auf solche Notiz-Tools, wenn auch nicht immer auf die gleichen.
    Gleich ist nur geblieben, dass bisher alles offline läuft, vernetzt nur im eigenen Netzwerk. Hier läuft seit langem “Scribble Papers”.

    WP als online Notizbuch, Wiki, Zettelkasten, Ideendatenbank … habe ich mir auch schon öfters ĂĽberlegt. Doch dafĂĽr war das Blogsystem nie gedacht und die genannten Nachteile lieĂźen mich das bisher verwerfen.

    Aber ja, vllt. mit einem guten Membership-Plugin lieĂźe sich auch die Abgrenzung nach auĂźen machen. Und auf der etwas leichteren Alternative ClassicPress aufbauen; ein automatisches Backup dazu, fertig.

    Was dann auf die genannten Tools fehlt weiĂź ich nicht, die kenne ich nicht. Kann nur sagen, noch bietet mir Scribble Papers mehr Komfort und wird auch noch lange mein/unser bevorzugtes Tool fĂĽr die Auslagerung von Brain.exe bleiben.

    Dennoch, bitte berichte mal wieder darĂĽber, so wie “Ein Jahr mit WP als Notizbuch”.
    Aber wenn ihr beide da meint, das ist nix fĂĽr den Zweck, dann kann man so ein Experiment als normaler Nutzer eh vergessen.

  2. Ich arbeite für meine Projekte auch mit Notion. Aus den bei Dir genannten Gründen. Es ist gut strukturierbar, lässt Relationen zwischen den Tabellen zu, und ist überall erreichbar.

    Mein Wissensmanagement läuft allerdings lokal auf meinem Rechner mit WordPress. Die Basisausstattung reicht, ein paar Custom Fields z.B. für Autorendaten (nicht zu verwechseln mit den WP-Usern) sind schnell gecoded. Der Vorteil: Keine Daten, die über das Netz abrufbar / erreichbar sind. Der Nachteil (für mich leicht zu verschmerzen, weil ich sowieso meist am Rechner arbeite): Das System ist nur lokal erreichbar.

      1. dafĂĽr braucht man nun aber wirklich keinen lokalen Server und WordPress, nur um Notizen etc. zu erfassen und zu strukturieren

        DafĂĽr ist dann wirklich ZIM Desktop Notes oder CherryTree, am besten noch als portable App, wesentlich besser geeignet oder eben ein lokales Zotero, das man nicht mit dem Netz verbindet

  3. Im Laufe der Jahre habe ich so ziemlich jedes Notizprogramm ausprobiert, das es gibt. In den vergangenen drei Jahren habe ich Obsidian als Inbox und WordPress als Langzeitspeicher verwendet. Diese Kombination scheint fĂĽr mich groĂźartig zu funktionieren.
    Leider kann Obsidian nicht als dauerhafte Ablage verwendet werden, da es mit zusätzlichen verknüpften Dokumenten wie Bildern, PDFs usw. schnell sehr langsam wird. Andererseits ist WordPress für mich zu langsam, wenn ich schnell etwas reinkopieren will.
    Es scheint, dass die regelmäßige Durchsicht meiner Obsidian-Notizen und deren Übertragung ins WordPress ein ausgezeichneter Prozess für mich ist, da ich dadurch viele unnötige Dinge herausfiltern und verdichten kann.
    Allerdings habe ich bisher noch keine nĂĽtzlichen Tools gefunden, die mir helfen, die entsprechenden Daten schnell ins WordPress zu ĂĽbertragen. Die Skripte, die ich selbst erstellt habe, funktionieren eher schlecht als recht.

    1. Hi Rico,

      Es scheint, dass die regelmäßige Durchsicht meiner Obsidian-Notizen und deren Übertragung ins WordPress ein ausgezeichneter Prozess für mich ist

      Das ist ein interessanter Ansatz. Damit erreichst du mehrere Sachen gleichzeitig: du überprüfst, ob die Notizen noch relevant sind, hältst die Datenbank schlank und rufst dir die Infos noch einmal ins Gedächtnis zurück.

      GrĂĽĂźe

  4. Ich empfehle fĂĽr eine Wissensdatenbank ZOTERO. https://www.zotero.org
    Das ist webbasiert und es gibt auch PC-Clients.
    Man kann speichern, hierarchisieren, annotieren, Dateien hinzufĂĽgen, per Browser-AddOn sofort URLs in ZOTERO speichern und und und

    Und man kann Ordner / Libraries freigeben fĂĽr gemeinsamen Zugriff…

    das alles hat sich in der Wissenschaft und anderen Anwendungsgebieten sehr bewährt.
    Es gibt kostenlose und kostenpflichtige Accounts.

    Ich habe lange nach WP-WIKI-Funktionalitäten gesucht, was da aber als WIKI oder FAQ angeboten wird, ist fast immer unbrauchbare PillePalle. Nicht mal gescheite Directory-Plugins gibts. um z.B. Bibliographien zu pflegen, da wird unter “directory” immer Burger-Verzeichnisse oder Autohändler-Listen angepriesen…
    Oder es gibt ein paar kostenpflichtige Plugins, die dann aber doch immer wichtige Funktionalitäten falsch oder gar nicht bieten und man sich dem Support nicht verständlich machen kann.

    Deshalb: Zotero!

    1. Hi,

      ich gebe dir da Recht. Wenn die Notizen oder Text bestimmte Regeln erfüllen müssen – wie etwa bei Bibliografien – dann ist es sinnvoller, es mit einem Tool wie Zotero zu machen. Ich kannte zwar die Browser-Addons von Zotero, war mir aber nicht bewusst, dass es auch keine Web-Version des Programms gibt.

      GrĂĽĂźe

    2. Hallo, Caroline Müller-Gödecke,
      wir versuchen gerade, mit Zotero über WordPress MetaDaten von Medien im Web zu publizieren, ggf. an einen geschlossenen Nutzerkreis. Ideal wäre, den Endnutzer:innen auch die Suchfunktionalitäten zur Verfügung stellen zu können.
      Könnten Sie dabei helfen, das aufzubauen, oder eine Person empfehlen, die das tun könnte?
      LG Dina Bott

  5. Auch auf die Gefahr hin etwas belächelt zu werden. Was haltet ihr von Evernote?
    Man kann zum Beispiel auch die Beiträge per E-Mail hinzufügen läuft auf allen Systemen kann mit dem Kalender verbunden werden. Und scheint unter den neuen Besitzern wieder aktiv entwickelt zu werden. Verlinkungen zwischen einzelnen Beiträgen sind durch Drag und drop sehr einfac

    1. Hi Jochen,

      Auch auf die Gefahr hin etwas belächelt zu werden. Was haltet ihr von Evernote?

      Ich glaube nicht, dass dich deswegen jemand belächeln wird. Evernote ist ein leistungsfähiges Toll. Ich persönlich kam aber nie gut damit zurecht.

      GrĂĽĂźe

  6. Ich habe ĂĽber die Jahre immer wieder Anläufe fĂĽr eine Pflanzen-Datenbank fĂĽr den Gartenblog mit WordPress gemacht. Da ist immer nix draus geworden. Zum einen taugten mir vorhandenen Plugins nicht, zum selber welche schreiben reicht’s nicht. Aber ich hab’s dann auch immer wieder aus den Augen verloren…

    FĂĽr den Alltag habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht mit Zoho Notizbuch https://www.zoho.com/de/notebook/

  7. Hi Vladimir! Ich hab in den letzten Jahren meinen Zettelkasten komplett custom mit WordPress gebaut. Ich finde das funktioniert super gut, gerade weil ich hier die Möglichkeit habe, eigene Ansichten meiner “Zettel” anzulegen und sie sinnvoll mit Tags und Kategorien zu ordnen. Zudem habe ich einen Custom Post Type fĂĽr BĂĽcher angelegt, mit dem ich Zettel zu BĂĽchern zuordnen kann (ein bisschen ACF war dazu erforderlich). Ich habe alle oben genannten TOols ausprobiert und bin letztendlich bei WP gelandet. Es macht mir groĂźen SpaĂź, neue Features zu eintwickeln und meine Datenbank aus inzwischen etwa 1600 posts zu fĂĽllen und das Wissen vernetzen. Wenn Du eine Demo wĂĽnscht: Sehr gerne. VG, TIm

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