WordPress & Webwork

Struktur und Tags

Seit einiger Zeit mache ich mir so meine Gedanken zum Thema Strukturierung der Inhalte bzw. Informationen. Und zwar nicht nur abstrakt bzw. theoretisch sondern auch für den praktischen Einsatz. Sehr oft habe ich z.B. hier im Blog das Problem, daß ich nicht genau weiß welcher Kategorie ich einen Beitrag zuordnen soll, aber einen Beitrag zu diesem Thema hatten wir hier schon und ich will das hier nicht weiter vertiefen.

Was aber in diesem und in anderen ähnlichen Zusammenhängen helfen kann ist das sog. Tagging bzw. Tags. Ausgesprochen wird es als Tähgs und man könnte es als Markierungen oder Etiketten übersetzen. Also nicht mit HTML-Tags zu verwechseln.

Für Leute die Community-Anwendungen nutzen (Flickr, Spurl, Blogg.de etc.) sind Tags alter Hut und mitlerweile gibt es auch für WordPress einen Plugin (seit 2 Wochen will ich es testen). Leute die das Tag-Prinzip nicht kennen, haben am Anfang Probleme damit etwas anzufangen bzw. es sich vorzustellen. Das ging mir am Anfang auch so.

Da ich hier keinen theoretischen Bericht über das Tag-Prinzip schreiben will, fange ich mit einem konkreten Beispiel an. Nehmen wir mal an, ich schreibe einen Bericht, wie ich ein nützliches Buch für Photoshop in einem bestimmten Kaufhaus (nehmen wir mal einfach Atelco) gekauft habe und gebe den ersten Eindruck über das Buch wieder.

Ich würde dann diesen Beitrag in die Kategorie "Bücher" ablegen. Aber das macht mich nicht zufrieden, da es sich hierbei um eine Kritik zu einem guten und Preiswerten Photoshop-Buch handelt. Jetzt könnte ich hergehen und diesem Beitrag folgende Tags vergeben: Buchkritik, Photoshop, Atelco, Preiswert. Diese Tags erscheinen dann am Kopf oder am Fuß des Beitrages und sind anklickbar. Also wenn ich auf "Atelco" anklicke, dann werden alle Beiträge aufgelistet die mit dem Tag Atelco markiert wurden, z. B. kauf von Hard- und Software. Also ich bekomme Beiträge aufgelistet, die in irgendeinen inhaltlichen Zusammenhang stehen und zwar Kategorie übergreifend (in diesem Fall aus den Kategorien Bücher, Software und Hardware).

Jetzt könnte das Gegenargument kommen "dann richte doch einfach mehr Kategorien ein". Könnte man machen, aber dann hätte ich sehr schnell anstatt 20 so um die 60-70 Kategorien. Das würde der Übersichtlichkeit nicht helfen.

Das zweite Gegenargument wäre "dann sollen die Leser die Suchfunktion nutzen". Das Problem ist, daß die Suchfunktion, in meinen Augen, kein Allheilmittel ist. Zuerst muss man wissen, daß es Inhalte gibt nach denen man suchen kann, im konkreten Fall müsste der Besucher mit den Suchwörtern "Atelco" und "Preiswert" suchen. Relativ unwahrscheinlich. Und zum zweiten müsste man den passenden Suchbegriff parat haben, es geschiet mir auch ab und an, daß ich nach etwas suche, aber das gesuchte nicht in einen kompakten Suchbegriff zusammenfassen kann. Und in solchen Fällen hilft auch die beste Suchfunktion nicht. Zudem gibt die Suchfunktion an sich keine Auskunft über den inhaltlichen Zusammenhang der einzelnen Ergebnisse.

Nein, ich sehe das Tagging als eine Art Bindeglied zwischen der klassischen Kategorisierung und der Suchfunktion. Die Kategorisierung und auch die Ordnerfunktion z. B. in einem Mailprogramm dient der ersten groben, inhaltlichen Strukturierung und ordnet den Inhalt auch rämlich ein, also eine hierarchische Strktur von oben nach unten. Die Tags dienen in erster Linie der reinen inhaltlichen Strukturierung und schaffen Querverbindungen und zwar Kategorie bzw. Ordner übergreifend. Die Suchfunktion rundet das Angebot ab und liefert Inhalte ab unabhängig von den Zusammenhängen.

Nun wollte ich nach dem langen Vorwort 🙂 zu der eigentlichen Aussage diesen Beitrages kommen. Ich habe jetzt einige Anwendunen getestet, die keine Kategorisierung bzw. Ordner bieten sondern nur auf das tagging setzen: Opera Mail, Gmail, Rojo (Konkurenz für Bloglines ) etc. Mir fehlt einfach die grobe inhaltliche und räumliche Struktur durch Kategorien bzw. Ordner.

Ich sortiere gerne Mails (und auch andere Inhalte) in Ordner und Unterordnern, damit kann ich mir schnell einen ersten Überblick verschaffen. Das Tagging hilft mir weitere relevante Inhalte zu finden. Bei Spurl ist das z. B. sehr gut gelöst. Aber ganz ohne Ordner und Unterordner (wie bei Rojo, Gmail und Opera Mail) komme ich nicht klar.

27 Reaktion(en)

  1. Andrea

    Bei Gmail ging mir das am Anfang auch so. "Wo sind denn hier die Ordner?!", "Ich will das ganze Zeug nicht in meiner Inbox haben!" usw. Bis ich erfahren habe, dass man ja einfach auf 'Archive' klicken kann, wodurch die Emails aus der Inbox verschwinden und unter den einzelnen Labels abgelegt werden (Ordnern nicht ganz unähnlich). Jetzt finde ich das ganz praktisch.

    Bei del.icio.us habe ich am Anfang auch meine Links "kategorisiert" anstatt "getagged", also möglichst allgemeine Begriffe wie 'Books' oder 'Computer' benutzt, oder so Dinge wie 'Computer/Browser' obwohl ich eigentlich fast nur Firefox-Links hatte. Jetzt bin ich schon etwas "mutiger" und führe auch neue Tags ein wenn mir das sinnvoll erscheint. Hat aber lange gedauert, dass zu lernen und bei mittlerweile 1813 Links kann man auch nicht einfach mal zurückgehen und alte Bookmarks mit den neu eingeführten Tags versehen. Wo ich doch so ordnungsliebend bin. :-/

  2. Pingback: MEX Blog » MEX: Echtes Tagging eingeführt

  3. Chaoswind

    Also ein paar Punkte solltest du dir noch klar machen.

    Zuerst einmal, Tags sind Schlüsselwörter, genauso wie Kategorien, Ordner-Namen und alles andere was einen Bezug zum Inhalt herstellt. Der unterschied zwischen Kategorie und Tag besteht damit letztlich nur in der Spezialisierung.

    Bei Kategorien verwendet man lieber moeglichts allgemeine Begriffe, bei Schlüsselwörtern lieber sehr direkte und Spezielle. Damit erreicht man dann auch eine ganz andere Qualitaet des Zugangs 🙂

    Das grosse Problem bei Tags ist allerdings das sie auch anders gehandhabt werden muessen als konventionelle Benamungs-Strategien. Tags kommen halt in Masse, entsprechend muss man Wege finden auf die Masse besser zugreifen zu koennen. Del.icio.us hat z.b. mit seinem Experimentellen Subscribe-Interface einen sehr brauchbaren ansatz gefunden. Jetzt bleibt nur abzuwarten wie sich das weiter entwickelt.

  4. Jörg Eichhorn

    Aus der Perspektive des Readers:

    Das gute an Tags: Tags als solche.

    Das schlechte: Sie sind noch viel zu wenig verbreitet. Sie lassen sich ganz schlecht normalisieren. Sie sind oft nicht verwertbar implementiert (ein Link auf bloggeria in description oder content:encoded ist nicht so richtig gut auswertbar). Oft steht echt nur Un… brauchbares drin.

    Ich räume ein dass es schwer ist, aber was sagen: "Buchkritik, Photoshop, Atelco, Preiswert" über den Artikel aus? Noch dazu, wo Sie ja für das Tagging auseinander und aus dem Zusammenhang gerissen werden? Soltle da nicht irgendwo die Kernaussage des Artikels rüberkommen?

    Ok, als Schmankerl Tags aus der Datenbank, jedes mit seinen ganz eigenen "Feinheiten":

    "Datenschützer hält Überprüfung von Konten für grundgesetzwidrig".
    "textiles, textile, EU, China, US, imports, trade, WTO, economy, Europe, Germany"
    "TECH | UMFRAGE"
    "Haushaltsgeräte, Küche Studentin mit guten Kenn"
    "Musik: gerade im Player"
    "everyone-else-has-one"

  5. Perun

    @Jörg,
    für mich bedeutet Tagging Aufzählung von relevanten Stichwörtern, die dann in irgendeiner Weise Verbindung mit anderen Beiträgen herstellen. Einen vollständigen Satz als Tag zu benennen hilft mir und dem Suchenden nicht weiter. Ein erklärender, vollständiger Satz hat imho nix in Tagging zu suchen, sondern gehört ins excerpt (Auszug, Teaser, Vorwort etc.).

    Gruß

  6. J*rg Eichhorn

    In dem Punkt sind wir uns einig: Ein Satz ist kein Tag.
    Ich wollte eher in die Richtung, dass bei der Suche nach "Madonna" der Kontext Musik oder Kirche relevant ist, und wie man das in den Tags ber*cksichtigen kann.

  7. Christoph Hörl

    Seit einiger Zeit nutze ich nun Flickr und del.icio.us. Dabei bin ich logischerweise auch mit dem Thema Tags konfrontiert worden. Bisher gefällt mir die Methode sehr gut und ich überlege schon, ob ich mir nicht ein Plugin für mein Weblog suche. Anfangs ist es sicherlich schwer die richtigen Tags zu finden, doch irgendwann hatte ich den Dreh raus. Was mich etwas an Tags zweifeln lässt, ist, dass jeder das Wort anders schreib. Zu jedem Link trage ich in den Tags den Namen des Autors ein. Der eine schreibt beispielsweise "simovic", der andere "perun" oder auch "vladimirsimovic". Schon haben wir das Problem. Nach was suche ich? Nutzt man Tags um von nur einer Person gleich getaggte Einträge zu finden, hat man meist mehr Erfolg. Um das ganze Verzeichnis in Flickr, del.icio.us, o.ä. zu durchsuchen, muss man zig verschiedene Schreibweisen der Tags eingeben. Das lässt mich noch etwas an der Ideallösung "Tags" zweifeln.

  8. Jörg Eichhorn

    Ja Perun, da stimme ich dir zu: Ein Satz ist kein Tag.
    Ich wollte eher in die Richtung: wie können Tags so genutzt wreden, dass sie den Kontext – Madonna[Musik|Kirche] – transportieren können.

    So halte ich den Händlernamen aus deinem Beispiel für unglücklich, weil es für Computer Hardware steht und ich mal davon ausgehe, das 99% aller Leute die in der Tagliste auf Atelco klicken keine Photoshopbuchkritik erwarten.

    Ich fände es fatal so viel wie möglich Stichworte zuzuordnen, weil dann jedes für sich, wie o.g., weniger Sinn transportiert.

    Vielleicht brauchen wir Smart(e)tags :mrgreen:

  9. Perun

    @Jörg,
    da hast du Recht. Eine Kritik über ein gutes Photoshopbuch könnte folgendermaßen sortiert werden:

    1. Kategorie: "Bücher"
    2. Tags: buchkritik, photoshopbuch, "gutes buch"
    3. (evtl.) Excerpt bzw. Auszug: Ein empfehlenswertes Photoshopbuch zum Thema "Grafikdesign im Wandel der Zeit" 🙂

  10. Perun

    @Christoph,
    da kan ich selbst ein Lied davon singen. Als ich z. B. bei Spurl angefangen habe Links zum Thema RSS zu sammeln, hatte ich nach sehr kurzer Zeit diverse Links auf folgende Tags verteilt: rss, feed, feeds, newsfeed, newsfeeds. Das blöde daran, die Links waren ungleichmäßig verteilt. Im Endeffekt ist die Sortirerei nach hinten losgegangen. Und dieses Chaos habe ich alleine verursacht :twisted:. Man kann sich vorstellen, was bei einer Community von mehreren hunderten bzw. tausenden Nutzern dann passiert :shock:.

    Ich bin fest davon überzeugt, daß Tagging eine prima Idee ist um das klassische Konzept der Kategorien bzw. Ordner zu unterstützen (nicht zu ersetzen), aber man muss sich diszipliniert an ein Konzept halten. Wie man dies in einer Community umsetzen kann, ist ne gute Frage.

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  12. philippe

    hallo perun,
    ich habe meine archiven schon mit den tags versehen und es kappt sehr gut. seit 2-3 tage gib es auch einen 2-ten plugin in dieser richtung von henna aus indien:
    es sieht sehr gut aus. ich werde es auch mal auf einen anderen blog ausprobieren.
    grüsse aus berlin (mit 31 grad, heute)
    philippe

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  16. Wolfgang Kundler

    Mein Blog ist erst ein paar Tage alt. Ich fange erst gerade damit an und bin bei der Suche was Tagging ist hierher gelangt. Als Weblog Software verwende ich Serendipity, welches (nachdem ich mich hier sehr gut informiert hatte :smile:) sogar ein Tagging Plugin bietet.

    Site-Navigation finde ich generell ein sehr wichtiges Thema. Ganz besonders gut hat mir gefallen, das jeder Eintrag von Perun zum einen die Kategorisierung zu Beginn und zusätzlich das extra Tagging am Ende anbietet. Ich werde echt überlegen, dass bei mir auch genauso einzubauen. Das gefällt mir sehr gut.

    Dennoch ist mir noch nicht ganz klar geworden, wo der Unterschied zwischen Keywords und Tags liegt?

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  18. Perun

    Dennoch ist mir noch nicht ganz klar geworden, wo der Unterschied zwischen Keywords und Tags liegt?

    @Wolfgang,
    eigentlich keinen. Beide meinen eigentlich das gleiche. Aber viele verstehen unter Keywords die Meta-Keywords, also die Stichwörter die nur (früher) für die Suchmaschinen relevant waren.

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  25. Roland Sonnen

    Das Thema Kategorien spielt ja nicht nur bei einem Blog eine Rolle, sondern gerade auch bei Bookmarks ist es ein Thema. wenn man soviele Bookmarks hat wie ich (also wesentlich mehr als 1000), dann greift jedes Kategorisierungssystem mit der Zeit einfach zu kurz.

    Das dürfte bei einem Blog, der ein paar Jahre lang mit Artikel gefüttert wurde, wohl auch der Fall sein. Tags sind wirklich eine sehr praktische Lösung, aber auch da sollte man eine gewisse Systematik an den Tag legen, damit die Tags wirklich in vollem Umfang die Web Sites, oder in diesem Fall Weblog-Beiträge, erfassen.

    Das heisst, es macht Sinn, neben spezifischen Tags auch übergeordnete, kategorisierende Tags zu benutzen. Dann geht einem auch kein Beitrag durch die Lappen.

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